Eins, zwei, drei, Verlag 3.0, wer ist dabei?

8. Februar 2011 § 25 Kommentare

Mich beschäftigt derzeit eine spannende Frage: Werden und müssen Buchverlage sich künftig über die Branchengrenze hinaus neu positionieren – müssen sie neben ihrem eigentlichen „Verlagsgeschäft“ neue Angebote schaffen und sich neue Kompetenzen aneignen, um den Veränderungen am Markt trotzen zu können? Dazu möchte ich auf einen interessanten Blogpost hinweisen. Darin heißt es:

Das technische Verbreitungsmedium Internet war das Aus für viele Verwertungsmodelle der Kreativwirtschaft. Es wird auch das Aus für die Branchengrenzen innerhalb der Kreativwirtschaft sein. Deshalb stellt sich für Unternehmen bei der Auseinandersetzung mit neuen Geschäftsmodellen zuerst die Frage, in welcher Branche sie sich morgen bewegen werden.

Das schreibt Hergen Wöbken, Geschäftsführer des Instituts für Strategieentwicklung (IFSE) in Berlin in dem Blogartikel Wer nicht experimentiert, verliert – über das Ende der Branchengrenzen in der Kreativwirtschaft. Bedeutet das für (Buch-)Verlage künftig, dass diese sich neben der Erstellung von Printprodukten sowie neuen elektronischen Formen, wie Apps und E-Books, auch als Produzenten in den Bereichen Kunst, Kultur, Musik, Film und Internet beweisen müssen, um sich von großen monopolartigen, eierlegenden Wollmilchsäuen nicht abhängen zu lassen?!

Weiter – wenn auch aus etwas anderer Perspektive –  geht in der Fragestellung Ehrhardt Heinold von der Heinold, Spiller & Partner Unternehmensberatung GmbH. Er beschäftigt sich neben neuen Geschäftsmodellen mit der strategischen (Neu-)Ausrichtung von Verlagen und „fordert“ den neuen Typus Verlag 3.0:

Der Verlag 3.0 bietet nicht nur Medien in allen Formen und Formaten, sondern vernetzt sich zudem intensiv mit seinen Kunden. Kernkompetenz des Verlages ist die Erfüllung von Kundenwünschen, erstrangig in den Bereichen Information und Unterhaltung, zunehmend aber auch in Servicebereichen.

Das Erstellen von Content und die mehr-mediale Aufbereitung dieser Inhalte werde zukünftig nicht mehr ausreichen. Die Verlage müssten mehr auf innovative und flexible Services, Kundenkommunikation und -vernetzung sowie neue Produktlösungen setzen.

Ich bin der Meinung, im Mittelpunkt muss der Kunde mit seinen individuellen, persönlichen Bedürfnissen und Wünschen stehen. Und die Kunden dürfen nicht als dasselbe anonyme Einheitswesen betrachtet und nach dem Motto ‚one-size-fits-all‘ bedient werden. Es geht um eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden, klassischen Print-Produkte durch maßgeschneiderte und kundenorientierte Zusatzprodukte. Auf der einen Seite: Informationen, Specials und exklusive Angebote zum Buch, zum Thema drum herum, über den Autor; darüber hinaus Foto-, Audio- und Filmmaterial, interaktive Inhalte, Anwendungen und Spiele, verknüpft mit speziellen (realen) Events und Aktionen, wie z.B. Alternate Reality Games und local-based Services, bis hin zum live-moderierten Austausch innerhalb einer eigenen Web-Community. Andererseits sind Tutorials, web-based Trainings, Webinare, Networkingveranstaltungen, Workshops, Camps, Messen für spezielle Kundengruppen und vieles mehr denkbar.

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Was funktioniert, was bei den Menschen ankommt, kann mittlerweile sehr gut in Social Media beobachten werden. Dort geht es in erster Linie um Menschen, deren Emotionen wie auch Begeisterung für Geschichten und Gespräche. Menschen erfahren, erleben und erzählen sich gerne Geschichten, sie wollen teilhaben an interessanten und spannenden Gesprächen. Sie sind bereit, wenn sie „mitten ins Herz getroffen“ wurden, diese Erlebnisse weiter zu tragen und zu empfehlen. In die Leser, in deren Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse müssen sich Verlage hineinversetzen, also mittels Social Media, wo es möglich ist, mit der Zielgruppe auf Augenhöhe und einem hohen Maß an Interaktion, Dialog und Service zu kommunizieren. Produkte und Zusatzangebote müssen künftig noch mehr erlebbar sowie spürbar werden und mit dem Leser noch enger zusammenrücken. Nur so kann eine intensivere und nachhaltigere Integration und Vernetzung von und mit bestehenden wie auch potenziellen Kunden stattfinden.

Welche Verlage stellen sich ernsthaft dieser Aufgabe und der damit verbundenen Herausforderungen an Management und Marketing-Know-how sowie technischer, finanzieller und personaler Ressourcen und machen mit beim Experiment Verlag 3.0?

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stART11 – Das Pro-Viren-Programm

7. November 2010 § 3 Kommentare

Ich bin infiziert! Mein Rechner, mein Körper, mein Geist. Mit einem Virus namens stART11. Eingefangen habe ich ihn mir, wie könnte es auch anders sein, durch das Laden einer Seite im Netz. D.h. es war nicht nur einfach eine Seite. Es war das Mach(t)werk eines allumspannenden Netzwerkes, einer ausgebufften Vereinigung von gemeinen und intelligenten Viren-Spendern und -Bastlern, die mich, durch ihre ganz eindringliche Art und Weise zu kommunizieren, und dadurch, wie sie Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen pflegen, sozial und vernetzend, vereinnahmten. Die Zentrale, über die der äußerst ansteckende stART11 in das WWW geschleudert wurde, nennt sich geradezu provokant stARTblog. Als sei es nur eine dieser kleinen Startrampen, von denen aus bei athletischen und olympischen Sportwettkämpfen die austrainiertesten und widerstandsfähigsten Zell-Maschinen auf zwei Beinen ins Rennen geschickt werden. Und diese gefährlichen und hinterlistigen Viren-Kreateure nennen sich Kulturmanager, Web2.0-Addicts oder PR-Consultants, sie agieren also auch noch verdeckt. Das ist genial!

Das Motto ihres Auftrages, das keinen, der angesteckt wird, loslässt: „Offen. Experimentell. Zusammen.“ Man hat keine andere Wahl, als diese Epidemie öffentlich zu machen, dies auf Wegen, die neu, kühn und noch nie da gewesen sind, womöglich mit allen anderen „Befallenen“ zusammen.

Und dass es sich tatsächlich um eine ansteckende Krankheit handeln muss, zeigen ähnliche Symptome allenorts, in Tweets, Statusmeldungen und Kommentaren. So lautet das Leid eines Infizierten: „Ich bin völlig überzeugt und möchte sofort mit meinem Blut irgendetwas unterschreiben und meine Seele an euch verkaufen!“

Noch nie hat eine Virus-Infektion solchen Spaß bereitet, enormen Spaß! Möge sie mich noch lange Zeit in Schach halten: In einem Jahr findet am 17./18. November die stARTconference 2011 in der Duisburger Mercator-Halle statt. Das zentrale Thema der 3. Konferenz rund um Kunst, Kultur und Social Media/Web wird „Transmedia-Storytelling“ sein. Ein, wie ich finde, spannendes „mediales Erlebnis“, das man dieses Jahr in einem zumindest inhaltlich ähnlich angelegten Konzept auf der Buchmesse erfahren konnte: storydrive.

Ich möchte bei der stART11 dabei sein, vor und auf der Konferenz, mit meiner Idee und meiner Erzählung. Sie wird von der Entdeckung des Virus handeln, von der Injektion mit dem selbigen und von dem, was sich ab heute bis zur stART11 entwickelt hat. Sie lebt von der Ungewissheit dieser Entwicklung, auch von meiner positiven Neugier, von meinem Engagement für die stART11 und all meinen Erfahrungen auf dem Weg dorthin: offen. experimentell. zusammen. transmedial. viral!

Ich danke Christian Henner-Fehr, Frank Tentler, Karin Janner und Dorothee Martin für diese Initialzündung durch Virus-Infektion.

P.S. Wenn ihr auch „krank“ werden wollt, ganz einfach, hier eine Auswahl an Virenstationen: stART11 auf Facebook, Twitter und XING.

Wo bin ich?

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