Die Verlagslabore Viktor & Pettl und generatedpaper.com

17. Februar 2011 § Ein Kommentar

Am vergangenen Montag traf ich Jakob Fricke, Mitbegründer des Hamburger Yanus Verlages und Inhaber von Vitkor & Pettl, ein Laborverlag, wie ihn Jakob Fricke selbst bezeichnet. Vitkor & Pettl will Bücher publizieren, die zwar von Anfang an digital gedacht und umgesetzt werden, aber auch parallel als gedrucktes (Teil-)Werk erscheinen sollen. Es geht dabei nicht um die digitale Substitution eines bereits bestehenden Printproduktes. Beides, das gedruckte Buch und die spielerisch interaktive iPad-Version, bspw. des aktuellen Titels „Was ich alles kann …“, eine Lernhilfe für Leseanfänger, funktionieren eigenständig und ergänzen sich gegenseitig. Die elektronische Fassung gibt es kostenfrei für iPad und Webbrowser. Das Buch ist als Broschur, gedruckt im PoD-Verfahren, erhältlich.

Jakob Fricke bricht das klassische Verlagsmodell auf, dessen Strukturen, Herstellungsprozesse wie auch dessen Kultur, das Denken und die Ökonomie. Wer im digitalen Geschäft erfolgreich sein möchte, so Fricke, der müsse auch digital denken können. Leider fehle oft im Management von Verlagshäusern dieses Denken und das entsprechende Know-how. Warum kann ein Verlag heute nicht ähnlich agieren wie Unternehmen aus der IT-Branche, in denen Produkte iterativ, in Versionen statt in (Nach-)Auflagen, in ganz anderen Zyklen entwickelt werden und leben? In denen die Nachfrage, Kunden und Bedürfnisse erheblichen Einfluss auf die Angebote und deren Produktion haben? Das hat viel mit der Entwicklungsgeschichte des Verlags- und Buchwesens sowie den beteiligten Unternehmen zu tun.

In meinem Artikel zu Verlage 3.0 wurden die Fragen nach mehr Experimentierfreudigkeit, Veränderungswillen und einem neuen Selbstverständnis bei den Verlagen gestellt. Jakob Fricke zeigt mit Viktor & Pettl, dass dies erfolgreich geht, auch mit wenig Budget, wenn man eben selbst Hand anlegt. Mehr über Jakob Fricke und sein „Labor“ kann man auf der ‚Ich mach was mit Büchern‘-Website wie auch auf Facebook und Twitter erfahren.

Ich möchte an dieser Stelle auf ein weiteres, sehr schönes und nützliches Angebot von Jakob Fricke hinweisen: generatedpaper.com, Druckvorlagen für den Alltagsgebrauch zum einfachen und kostenlosen Herunterladen. Karo- oder Linienpapier, Schreibhilfen für Schulanfänger, Notenpapier, Kalendervorlagen uvm., übersichtlich, sschnörkellos auf einer funktional gestalteten Website. Einfach gut! Warum macht er das? Wer nicht selbst macht und sich auch mal mit der Technik auseinander setzt, der wird „digital“ immer auch nur theoretisch verstehen. Dazu gehört Fehler zu machen, hinzufallen und wieder aufzustehen.

Danke anbei an den Laborleiter Jakob Fricke.

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Eins, zwei, drei, Verlag 3.0, wer ist dabei?

8. Februar 2011 § 25 Kommentare

Mich beschäftigt derzeit eine spannende Frage: Werden und müssen Buchverlage sich künftig über die Branchengrenze hinaus neu positionieren – müssen sie neben ihrem eigentlichen „Verlagsgeschäft“ neue Angebote schaffen und sich neue Kompetenzen aneignen, um den Veränderungen am Markt trotzen zu können? Dazu möchte ich auf einen interessanten Blogpost hinweisen. Darin heißt es:

Das technische Verbreitungsmedium Internet war das Aus für viele Verwertungsmodelle der Kreativwirtschaft. Es wird auch das Aus für die Branchengrenzen innerhalb der Kreativwirtschaft sein. Deshalb stellt sich für Unternehmen bei der Auseinandersetzung mit neuen Geschäftsmodellen zuerst die Frage, in welcher Branche sie sich morgen bewegen werden.

Das schreibt Hergen Wöbken, Geschäftsführer des Instituts für Strategieentwicklung (IFSE) in Berlin in dem Blogartikel Wer nicht experimentiert, verliert – über das Ende der Branchengrenzen in der Kreativwirtschaft. Bedeutet das für (Buch-)Verlage künftig, dass diese sich neben der Erstellung von Printprodukten sowie neuen elektronischen Formen, wie Apps und E-Books, auch als Produzenten in den Bereichen Kunst, Kultur, Musik, Film und Internet beweisen müssen, um sich von großen monopolartigen, eierlegenden Wollmilchsäuen nicht abhängen zu lassen?!

Weiter – wenn auch aus etwas anderer Perspektive –  geht in der Fragestellung Ehrhardt Heinold von der Heinold, Spiller & Partner Unternehmensberatung GmbH. Er beschäftigt sich neben neuen Geschäftsmodellen mit der strategischen (Neu-)Ausrichtung von Verlagen und „fordert“ den neuen Typus Verlag 3.0:

Der Verlag 3.0 bietet nicht nur Medien in allen Formen und Formaten, sondern vernetzt sich zudem intensiv mit seinen Kunden. Kernkompetenz des Verlages ist die Erfüllung von Kundenwünschen, erstrangig in den Bereichen Information und Unterhaltung, zunehmend aber auch in Servicebereichen.

Das Erstellen von Content und die mehr-mediale Aufbereitung dieser Inhalte werde zukünftig nicht mehr ausreichen. Die Verlage müssten mehr auf innovative und flexible Services, Kundenkommunikation und -vernetzung sowie neue Produktlösungen setzen.

Ich bin der Meinung, im Mittelpunkt muss der Kunde mit seinen individuellen, persönlichen Bedürfnissen und Wünschen stehen. Und die Kunden dürfen nicht als dasselbe anonyme Einheitswesen betrachtet und nach dem Motto ‚one-size-fits-all‘ bedient werden. Es geht um eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden, klassischen Print-Produkte durch maßgeschneiderte und kundenorientierte Zusatzprodukte. Auf der einen Seite: Informationen, Specials und exklusive Angebote zum Buch, zum Thema drum herum, über den Autor; darüber hinaus Foto-, Audio- und Filmmaterial, interaktive Inhalte, Anwendungen und Spiele, verknüpft mit speziellen (realen) Events und Aktionen, wie z.B. Alternate Reality Games und local-based Services, bis hin zum live-moderierten Austausch innerhalb einer eigenen Web-Community. Andererseits sind Tutorials, web-based Trainings, Webinare, Networkingveranstaltungen, Workshops, Camps, Messen für spezielle Kundengruppen und vieles mehr denkbar.

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Was funktioniert, was bei den Menschen ankommt, kann mittlerweile sehr gut in Social Media beobachten werden. Dort geht es in erster Linie um Menschen, deren Emotionen wie auch Begeisterung für Geschichten und Gespräche. Menschen erfahren, erleben und erzählen sich gerne Geschichten, sie wollen teilhaben an interessanten und spannenden Gesprächen. Sie sind bereit, wenn sie „mitten ins Herz getroffen“ wurden, diese Erlebnisse weiter zu tragen und zu empfehlen. In die Leser, in deren Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse müssen sich Verlage hineinversetzen, also mittels Social Media, wo es möglich ist, mit der Zielgruppe auf Augenhöhe und einem hohen Maß an Interaktion, Dialog und Service zu kommunizieren. Produkte und Zusatzangebote müssen künftig noch mehr erlebbar sowie spürbar werden und mit dem Leser noch enger zusammenrücken. Nur so kann eine intensivere und nachhaltigere Integration und Vernetzung von und mit bestehenden wie auch potenziellen Kunden stattfinden.

Welche Verlage stellen sich ernsthaft dieser Aufgabe und der damit verbundenen Herausforderungen an Management und Marketing-Know-how sowie technischer, finanzieller und personaler Ressourcen und machen mit beim Experiment Verlag 3.0?

Ich fördere „Das wilde Dutzend“

7. Dezember 2010 § 3 Kommentare

Vor ca. 2 Wochen habe ich in einem kurzen Beitrag über Möglichkeiten der Projektförderung berichtet. Heute möchte ich ein „Projekt“ vorstellen, das ich als besonders förderungswürdig bezeichnen möchte:
Das wilde Dutzend ist ein junger, aufstrebender Verlag, der mit „absurden, skurrilen Geschichten und Illustrationen in interessanter und qualitativ passender Aufmachung“ aber vor allem mit kreativen, witzigen und klugen Marketingideen, on- wie auch offline und gut miteinander verknüpft, in der ersten Zeit seines Bestehens reges Interesse, Aufmerksamkeit und Reichweite generiert. Und so bin auch ich per Twitter und Facebook über Das wilde Dutzend gestolpert. Mit dem heutigen Blogpost möchte ich meinen persönlichen, ersten Beitrag leisten, damit dieser kleine und feine Verlag noch bekannter, berühmter und erfolgreicher werden kann. Die beiden Verlegerinnen Dorothea Martin und Simone Veenstra erklären einmal genauer, um was es beim wilden Dutzend geht, was die Ziele und die Herausforderungen sind und was das Besondere an dem Verlag in Zeiten des Web2.0 ist.

1. Für was steht Das wilde Dutzend?
Das wilde Dutzend passt doppelt gut: Zum einen ist es der ins Neudeutsche übersetzte Name der Loge, die hinter diesem Verlag steht – zwozale wildenaere. Ein Geheimbund, der es sich bereits seit dem Mittelalter auf die Fahnen geschrieben hat, Geheimnisse aus Literatur- und Kunst/Kulturgeschichte aufzudecken. Für diese (rätselhafterweise immer 13 statt 12 Mitglieder) führen wir den Verlag, leihen ihm unser Gesicht, damit diese weiter inkognito bleiben können.

Zum anderen sind wir zwei Verlegerinnen ja nicht die einzigen, die hinter unseren Projekten stecken. Da gibt es Grafiker, Designer, Typografen, Illustratoren, Eventmanager, SEO-Fachleute, Druckexperten – also zwei Handvoll Experten, die uns zur Seite stehen.

2. Die Henne-Ei-Frage: Was war zuerst, die Idee von Büchern oder vom Netz oder von beidem? Oder ganz anders? Wie kam es dazu?
Eigentlich kann man sagen, es ging Hand in Hand. Die ursprüngliche Idee zum Verlag gibt es schon eine ganze Weile – ausgelöst von der Feststellung einiger in unterschiedlichen Verlagsbereichen arbeitender Mitstreiter, dass sich bei Inhalten und Umsetzungen zunehmend weniger „getraut“ wird. Viel wird von hinten aufgezäumt: Treffen wir die größtmögliche Zielgruppe. Sind wir politisch korrekt genug, irritieren wir niemanden.
In erster Linie auf interessante Inhalte und außergewöhnliche Umsetzungen zu achten kann man sich natürlich am besten als kleiner, unabhängiger Verlag leisten. (Und da sind wir nicht die einzigen, auch wenn es unser Schwerpunkt ist). Auf der anderen Seite sind auch die Mechanismen des Marketing, der PR und des Vertriebs Faktoren, die bei vielen Unternehmen in Stein gemeißelt feststehen und die die Projekte selbst beeinflussen. Auch das geht anders, dachten wir uns. Alles aus einer Hand. Selbstgemacht und trotzdem professionell. Und in der Kombination der beiden Verlegerinnen hatten wir auch beide Seiten – Inhalt/Form und neue Wege in die Öffentlichkeit – von Anfang an dabei.

3. Macht es heutzutage überhaupt Sinn, noch einen Verlag zu gründen, um „echte“ Bücher zu verlegen, wo doch im Netz jeder auch selbst Autor und Produzent sein kann?
Auf jeden Fall. So wie der „jeder-ist-im-Netz-sein-eigener-Autor“ Berechtigung und Leserschaft hat und findet, so trifft dies auch auf den manchmal als antiquiert angesehenen Buchdruck zu. Haptisches lässt sich nicht über den Computer erfahren. Für jede Geschichte und jedes Projekt gibt es stimmige Papiere, Illustrationen, Umschläge, kleine Feinheiten, die das Buch von der Massenware abhebt. Zeitgleich ermöglicht es aber gerade das Netz, eine Welt um unsere Bücher herum zu entfalten, die ansonsten gar nicht möglich wäre. SV: Ich würde da gerne noch einen Schritt weitergehen. Vom Netz her gedacht muss jede Geschichte, die heute gedruckt wird, ihren Druck legitimieren. Das heißt, wir können uns gut vorstellen, dass eins der nächsten Projekte vielleicht ein anderes Medium benötigt – dort dann aber auch die Qualitätskriterien erfüllt, die wir beim Druck ansetzen. Für uns ist die Frage nach der richtigen Form für jede Geschichte sehr wichtig, die Form, mit der sie auch ihre Leser findet. Wenn man heutzutage noch Bücher drucken lässt, sollten sie die Vorzüge des gedruckten Buchs erfüllen. Simone und unsere Typografin Grafikerin (Claudia Probst) haben sich deshalb extrem viel Zeit für die Gestaltung von „Die Guten, die Bösen und die Toten“ gelassen und liebevoll versucht, jedes Detail mit einzubeziehen, das die Verbindung von Ebeneeza Ks Bildern zu den Texten von Johan von Riepenbreuch unterstreicht.

4. Ihr seid auf vielen Kanälen unterwegs, und so wie es aussieht sehr gut vernetzt – online wie offline. Wo liegen die Schwerpunkte in eurem Marketing und wie verknüpft ihr eure Kommunikation?
Unser Schwerpunkt liegt ganz klar im Social Media Bereich bzw. im Netz, hier versuchen wir eine Community aufzubauen und eine Reichweite zu erlangen. Das würde aber nicht so gut funktionieren, würden wir nicht offline Veranstaltungen organisieren – und zwar unterschiedlichster Art. So haben wir unserer Künstlerin Ebeneeza K. eine Ausstellung (Fotos auf flickr) in der Staatsgalerie Prenzlauer Berg vermittelt, die noch bis zum 12. Dezember 2010 läuft. Diesen Ort haben wir dann regelmäßig für Events genutzt, von einem nicht geheuren Abend (Lesung und Konzert), über ein Pen & Paper-Abenteuer rund um unseren Autor bis hin zur exklusiven Preview des Hörspiels „Der Keller“ von Michael Struppek und Andreas B. Bell.
Unsere Kommunikation verknüpfen wir dabei quer – Website bzw. Blog und der Facebook-Account sind unsere „Hubs“ und von dort wird via Twitter, Email-Newsletter und Mund-zu-Mund gestreut. Wir haben noch so einige andere Ideen rund um unseren Autor, aber das kommt dann nach Weihnachten – davor stehen noch die Weihnachtsmärkte und natürlich unser eigener Pop-Up-Store auf dem Programm…
Die Guten, die Bösen und die Toten - Vernissage Die Guten, die Bösen und die Toten - Vernissage

5. Wieso glaubt ihr als Verlag an den Erfolg von Social Media, worin besteht der eurer Meinung nach?
Ganz lapidar: Weil es funktioniert. Weil es uns ermöglicht, ganz dicht dran zu sein an denjenigen, denen unser Buch auch Spaß macht. Und weil wir dank Blog, Facebook und Twitter diejenigen erreichen können, die sich für unsere Themen interessieren – oder auch diejenigen, die uns helfen unser Projekt (also so jemand wie ich, Anmerkung von Books & Brains) bekannter zu machen. Auch bei Social Media dauert es natürlich seine Zeit, bis man seine Leser gefunden hat, und wir können nur hoffen, dass sich soviele für unser Projekt begeistern, dass es lange weiterlaufen kann. Social Media ist eine unheimliche Chance für alle, die etwas erzählen wollen. Aber: bloß weil man twittert, eine Fanpage hat oder ein Blog betreibt, entsteht noch keine Community. Im Prinzip haben wir uns die Strategie für „Autoren im Netz“ angeeignet – nur als Verlag. Wir versuchen, gerade mit unserem Blog, Themen zu besetzen und weiter zu verbreiten, die uns selbst interessieren und von denen wir glauben, dass sie auch für potenzielle Leser spannend sind. Wir sind zum Beispiel selbst große Neil Gaiman und Tim Burton Fans, weshalb wir über beide schreiben. Wenn dann andere Fans der beiden auf unser Blog kommen und sie so auf unser Buch aufmerksam werden, haben wir mit unserer Begeisterung vielleicht noch jemanden angesteckt.

6. Habt ihr auch vor etwas „Elektronisches“ zu produzieren? Wo seht ihr euch mit eurem Verlag in zwei bis drei Jahren?
Wir haben etliche Ideen, die Elektronisches und Haptisches verknüpfen sollen. Beispielsweise arbeiten wir an einer Übersetzung der Texte von Johan von Riepenbreuch, die auf unserer Internetseite als Download zur Verfügung gestellt werden sollen. Es wird zu den Büchern immer wieder gestaltete Informationen geben, die kostenlos herunterladbar sein werden – das Buch ist sozusagen der Ausgangspunkt, die Erweiterung erfolgt elektronisch. Das Buch selbst wächst also immer weiter, wie die Zauberbohnen von Jack. Und am Schluss gibt es eine Rundführung im Wolkenkuckucksheim :-) Aber nicht nur textlich auch audiovisuell sind wir in der Planung. Nicht für jedes Projekt immer alles und immer alles gleich, sondern je nachdem, was passend ergänzt und verquickt. (SV)
Und wir haben natürlich nicht nur das eine Buch bzw. die eine Geschichte zu erzählen, sondern es warten schon noch ein paar weitere auf ihre Veröffentlichung – alle ein Teil der Welt vom wilden Dutzend. Wir sind jedenfalls auch außerhalb von Druckereien in Gesprächen, aber es ist noch zu früh, dazu etwas Genaueres zu sagen… (DM)

Über die beiden Verlegerinnen:
Dorothea Martin ist eigentlich Theaterwissenschaftlerin und –pädagogin. Letztes Jahr hat Dorothea bei insglück und dem treibhaus 0.8 das Handwerk der Konzeption von Events und Markeninszenierung gelernt und verdient nun damit in der Kombination mit Social Media auch freiberuflich ihr Geld. Zum Verlagswesen kommt sie über ihre Liebe zu Geschichten: „… ob als Buch, Serie, Comic oder Erzählung und irgendwann lernt man dann natürlich auch die richtigen Leute für so ein großes Projekt kennen„. Dass sie sich für neue Technologien begeistert kommt dabei ganz gelegen, und die Liebe zu Kaffee, gutem Essen und Kochen hilft auch bei langen Teamsitzungen.
Simone Veenstra hat ihre Studienzeit (Film/Theater/Literatur) in Erlangen, Groningen, New York und Berlin verbracht, am Theater gearbeitet, als Redakteurin – print und online – und ganz am Anfang des Mediums interaktive Webserien entwickelt. Es gibt über 30 Bücher von ihr in diversen Verlagen, sie schreibt fürs Fernsehen und sammelt leidenschaftlich Bücher und Comics – gerne, ganz Nerd, in mehreren Ausgaben und Sprachen.

Fast zeitglich (ein paar wenige Tage zuvor) schrieb das eveos blog, News, Tipps & Artikel aus der Eventbranche über die kreativen Events von Das wilde Dutzend. Und hier gibt`s noch mehr Fotos (flickr) und Bewegtbilder (vimeo).

Positionierung ist auch in Social Media erforderlich

1. Dezember 2010 § Ein Kommentar

Verlage und Buchhandlungen erkennen vermehrt die Chancen von Social Media. Bei der Definition einer Social Media-Strategie beginnen viele jedoch nicht mit dem ersten Schritt, sondern gehen gleich in die Umsetzung von einzelnen Maßnahmen. Ausgangsbasis sollte jedoch stets eine saubere Marktpositionierung sein, auf deren Grundlage sich Ziele und Konzepte für Social Media-Aktivitäten ableiten lassen.

Bislang ging es in Unternehmen der Buchbranche, die sich mit Facebook, Twitter und Co. beschäftigt haben, vor allem darum, herauszufinden,
1.       was Social Media eigentlich sind und was sie auszeichnen,
2.       was sie Unternehmen bringen bzw. bringen könnten,
3.       ob man mitmachen soll,
4.       wer das im Unternehmen macht,
5.       dass es einer Strategie, Ziele, bestimmter Richtlinien der Kommunikation bedarf.

Viele Verlage dürften hier noch nach Antworten suchen, viele dürften sich auch der Notwendigkeit von Antworten nicht recht bewusst sein. Diese Erkenntnis ergibt sich, wenn man sich exemplarisch Facebook-Präsenzen und Twitter-Accounts mancher Verlage (aber auch von Unternehmen anderer Branchen) ansieht. Oft scheinen sich die Verlage nicht darüber im Klaren zu sein, wie sie Fans und Follower erreichen möchten, und was die Aktivitäten insgesamt bringen sollen.

Und wie sieht es mit dem „Wie machen wir das“ und „Warum machen wir das so“ aus? Teilweise sind die Unternehmensseiten auf Facebook nett anzusehen, und es ist Engagement zu spüren. Doch leider all zu oft ist nur ein bunter Reigen von … , ja, von was eigentlich zu erkennen?

Gehen wir einen Schritt zurück. Dass sich Verlage mehr und mehr mit Social Media beschäftigen, kann man allein der mittlerweile branchenbekannten Statistik der Web-Initiative „Ich mach was mit Büchern“ entnehmen. Monatlich werden seit gut einem Dreivierteljahr Verlage in einem Ranking mit ihrer aktuellen Fanzahl auf Facebook und der jeweiligen Entwicklung gegenüber dem Vormonat gelistet. Insgesamt ist festzustellen: das Engagement wächst. Es gibt keine „offizielle“ Listung für Twitter oder Youtube-Kanäle, doch ist mit ein wenig Recherche auch dort ein Aufwärtstrend zu erkennen. Man beschäftigt sich also mit dem Thema, das in aller Munde ist, man weiß aber leider in vielen Fällen nicht so richtig, wie man darangehen soll. Warum ist das eigentlich so?

Alle Marketingaktivitäten auf Basis der Marktpositionierung koordinieren

Was machen die Verlage außerhalb von Facebook und den anderen sozialen Kanälen? Sie machen das, was sie gelernt haben und beherrschen. Sie publizieren Inhalte und Programme, vermarkten Autoren, neuerdings erstellen sie innovative (digitale) Produkte. Im besten Fall haben sie sich am Markt einen bestimmten Ruf, ein Image, eine Stellung und sogar eine bekannte Marke erarbeitet. Und einige wenige haben sich sogar schon erkennbar im Markt positioniert.

Zu einer erfolgreichen Positionierung im klassischen Sinne gehören: Unternehmensgrundsätze und eine Unternehmensphilosophie,
langfristige und Erfolg versprechende Unternehmensziele, eine Bedarfslücke schließen zu können, Kundenorientierung, eine bestimmte Markt-Führerschaft (Qualität, Technologie, Kosten, Nische), stets den Wettbewerb im Blick haben und verstehen, kritische Erfolgsfaktoren beherrschen sowie Stärken und Schwächen zu erkennen und zu optimieren. Entscheidend ist, dass die angestrebte Position den Unterschied zur Konkurrenz deutlich macht, und dass an dieser Position auch ausreichend viele Kunden die angebotenen Produkte nachfragen.

Von der Positionierung zum Social Media-Konzept

Ein Verlag ist auf dem richtigen Weg zur erfolgreichen Positionierung, sobald aus Sicht der Kunden ein Alleinstellungsmerkmal wahrgenommen werden kann, d.h. ein bestimmtes Produkt weist gegenüber Alternativen von Mitbewerbern einen erhöhten Kundennutzen aus. Es geht also darum, ein Nutzenversprechen („emotionaler Benefit“) und einen echten Nutzen („faktischer Benefit“) zu liefern und zu kommunizieren. Die Fragen, warum ich als Kunde dieses Produkt erwerben muss („Reason Why“) und was es mir bringt (Verwendungssituation) müssen eindeutig und zu 100% positiv beantwortet werden können. Dies alles muss so kommuniziert werden, dass sich der Kunde damit identifizieren kann und sich darin wieder findet.

Doch wo und wie wird dies auf Facebook oder Twitter vermittelt? Es scheint, als wüssten viele Verlage auf einmal nicht mehr, wer sie sind und für was sie eigentlich stehen. Der Kunde oder die Zielgruppe spielen heute eine entscheidende Rolle bei der Positionierung. Denn diese nehmen die Botschaft, die das Unternehmen durch seine gewählte Positionierung vermittelt, an oder eben nicht.

Drei Fragen sollten bei der Positionierung einer Social Media-Marketingstrategie beantwortet werden:
1.       Welche Vertriebs-, Markting- und Kommunikationsziele ergeben sich aus der Positionierung (des Verlages, einzelner Programmbereiche, einzelner Titel oder Autoren)?
2.       Welche Konzepte lassen sich aus diesen Zielen für einzelne Social Media-Plattformen ableiten?
3.       Wie erfolgt die Koordination mit den anderen Marketingmaßnahmen?

Vom Markenmarketing zur Kommunikation und Interaktion

Social Media, von denen man heute bereits als Märkte spricht, funktionieren anders als die klassischen, realen Märkte. Im sozialen Netz übt der User einen ganz starken Einfluss aus. Er übernimmt als Fan und Follower zu großen Teilen die Positionierung. Dies tut er, indem er sich bewusst einbringt in „Unternehmensprozesse“, sei es Marketing, Presse oder Kommunikation bspw. über Weiterempfehlungen, Rezensionen, Produktbewertungen, Veranstaltungsberichte, Blogbeiträge oder Kommentare, durch das Gründen eigener Gruppen zu einem Thema usw. usf. Und er könnte in Zukunft noch stärker und direkter Einfluss auf die Entwicklung von Produktideen, die Produktion oder die Qualitätssicherung ausüben, wenn man dies denn wollte. User Generated Content ist gegenwärtig kein Rand-Thema mehr. Wir sprechen vom Prosumenten, den Konsumenten, der sich über seine Aktivitäten, Meinungen, Reaktionen und Engagements in die Entstehung von Produkten bereits gehörig einmischt.

Die Chancen und Potenziale sind vorhanden. Als Unternehmen kann man Fans, Follower und somit (potenzielle) Kunden über die sozialen Kanäle gut ausfindig machen, kontaktieren und mit Ihnen in einen Dialog treten. Selbst hierbei hilft die Community durch Empfehlungen und Vorschläge zur weiteren Vernetzung intensiv mit. Warum liegt das vielen Buchhandels- und Verlagsunternehmen so fern? Warum fällt es Ihnen so schwer, mit den Usern in Kontakt zu treten, sie nach ihren Wünschen, Bedürfnissen, Anregungen und Ideen zu befragen? Gerade Verlage, die es verstehen müssten, zu kommunizieren! Die Unternehmen sollten versuchen, Fans und Follower viel mehr in ihr Geschäft mit einzubeziehen. Erreicht werden können diese ebenso in Social Media, wenn ihnen klare Nutzen und Vorteile aufgezeigt werden, vorausgesetzt, die entsprechende Tonalität wird getroffen und relevante Inhalte und Informationen werden vermittelt. Gerade das kann sehr gut in Social Media herausgefunden werden, indem man den Gesprächen dort zuhört und sich auf das Verhalten und die Kommunikation der Teilnehmer einlässt.

Unternehmen müssen sich auf die Positionierung im Web2.0 einlassen, ansonsten werden die User zur Konkurrenz wechseln. Entscheidend ist aber, die User in den Positionierungsprozess zu integrieren.

Der Artikel ist ebenfalls in der Dezember-Ausgabe des Newsletters der Heinold, Spiller & Partner Unternehmensberatung GmbH zu finden.

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