Mineralwasser von den Fidschi-Inseln

18. Juni 2011 § 5 Kommentare

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT gibt es ein, wie ich finde, sehr schönes Interview mit einem der erfolgreichsten Musikproduzenten unserer Zeit, Brian Eno. Folgende Frage und Antwort fand ich interessant – dabei geht es um „knappe Güter“:

Die ZEIT: Ein überraschender Erfolg in Zeiten schwindender CD-Umsätze sind limitierte und teure Sammler-Editionen. Von Ihrem letzten Album ‚Small Craft on a Milk Sea‘ gab es eine Version, die 300 Euro kostete und schnell vergriffen war. Worin besteht der Reiz?

Brian Eno: Ja, das ist faszinierend, vor allem, weil die Musik das Wertloseste in so einer Edition ist, da sie im Netz jederzeit umsonst runtergeladen werden kann. Musik ist in unserem Teil der Welt wie Wasser, immer und überall zu haben. Trotzdem kenne ich Menschen, die ein Vermögen für Mineralwasser von den Fidschi-Inseln zahlen. Ihre Vorstellungskraft suggeriert ihnen, dass das besser sei. Ähnlich ist es mit limitierten Tonträgern. Die Menschen kaufen nicht die Musik sondern die kostspielige Verpackung. Sie investieren im optimalen Fall in ein Kunstwerk mit Musik. (DIE ZEIT, No. 25 vom 16. Juni 2011)

Was kann man daraus für die Buchbranche ableiten? Bitte um Meinungen!

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Der mairisch Verlag

14. April 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Im Status-Update vom 11. April habe ich angedeutet, demnächst unabhängige Hamburger Verlage zu featuren. Heute gehts bereits los, mit dem mairisch Verlag, ein Indie-Verlag mit rundum schönem Programm: junge Literatur, freie Hörspielszene und neuerdings Musik! mairisch wurde 1999 gegründet und sitzt in Hamburg und Berlin. Es werden dort u.a. Finn-Ole Heinrich, Hannes Köhler, Donata Rigg und Spaceman Spiff verlegt.

Wir veröffentlichen nur, was uns am Herzen liegt – und legen dabei Wert auf hochwertige Gestaltung, gründliches Lektorat und eine langfristige, freundschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Autoren und Musikern.

Books & Brains sprach mit Daniel Beskos (Programm und Kommunikation) über heute und morgen.

Ich fördere „Das wilde Dutzend“

7. Dezember 2010 § 3 Kommentare

Vor ca. 2 Wochen habe ich in einem kurzen Beitrag über Möglichkeiten der Projektförderung berichtet. Heute möchte ich ein „Projekt“ vorstellen, das ich als besonders förderungswürdig bezeichnen möchte:
Das wilde Dutzend ist ein junger, aufstrebender Verlag, der mit „absurden, skurrilen Geschichten und Illustrationen in interessanter und qualitativ passender Aufmachung“ aber vor allem mit kreativen, witzigen und klugen Marketingideen, on- wie auch offline und gut miteinander verknüpft, in der ersten Zeit seines Bestehens reges Interesse, Aufmerksamkeit und Reichweite generiert. Und so bin auch ich per Twitter und Facebook über Das wilde Dutzend gestolpert. Mit dem heutigen Blogpost möchte ich meinen persönlichen, ersten Beitrag leisten, damit dieser kleine und feine Verlag noch bekannter, berühmter und erfolgreicher werden kann. Die beiden Verlegerinnen Dorothea Martin und Simone Veenstra erklären einmal genauer, um was es beim wilden Dutzend geht, was die Ziele und die Herausforderungen sind und was das Besondere an dem Verlag in Zeiten des Web2.0 ist.

1. Für was steht Das wilde Dutzend?
Das wilde Dutzend passt doppelt gut: Zum einen ist es der ins Neudeutsche übersetzte Name der Loge, die hinter diesem Verlag steht – zwozale wildenaere. Ein Geheimbund, der es sich bereits seit dem Mittelalter auf die Fahnen geschrieben hat, Geheimnisse aus Literatur- und Kunst/Kulturgeschichte aufzudecken. Für diese (rätselhafterweise immer 13 statt 12 Mitglieder) führen wir den Verlag, leihen ihm unser Gesicht, damit diese weiter inkognito bleiben können.

Zum anderen sind wir zwei Verlegerinnen ja nicht die einzigen, die hinter unseren Projekten stecken. Da gibt es Grafiker, Designer, Typografen, Illustratoren, Eventmanager, SEO-Fachleute, Druckexperten – also zwei Handvoll Experten, die uns zur Seite stehen.

2. Die Henne-Ei-Frage: Was war zuerst, die Idee von Büchern oder vom Netz oder von beidem? Oder ganz anders? Wie kam es dazu?
Eigentlich kann man sagen, es ging Hand in Hand. Die ursprüngliche Idee zum Verlag gibt es schon eine ganze Weile – ausgelöst von der Feststellung einiger in unterschiedlichen Verlagsbereichen arbeitender Mitstreiter, dass sich bei Inhalten und Umsetzungen zunehmend weniger „getraut“ wird. Viel wird von hinten aufgezäumt: Treffen wir die größtmögliche Zielgruppe. Sind wir politisch korrekt genug, irritieren wir niemanden.
In erster Linie auf interessante Inhalte und außergewöhnliche Umsetzungen zu achten kann man sich natürlich am besten als kleiner, unabhängiger Verlag leisten. (Und da sind wir nicht die einzigen, auch wenn es unser Schwerpunkt ist). Auf der anderen Seite sind auch die Mechanismen des Marketing, der PR und des Vertriebs Faktoren, die bei vielen Unternehmen in Stein gemeißelt feststehen und die die Projekte selbst beeinflussen. Auch das geht anders, dachten wir uns. Alles aus einer Hand. Selbstgemacht und trotzdem professionell. Und in der Kombination der beiden Verlegerinnen hatten wir auch beide Seiten – Inhalt/Form und neue Wege in die Öffentlichkeit – von Anfang an dabei.

3. Macht es heutzutage überhaupt Sinn, noch einen Verlag zu gründen, um „echte“ Bücher zu verlegen, wo doch im Netz jeder auch selbst Autor und Produzent sein kann?
Auf jeden Fall. So wie der „jeder-ist-im-Netz-sein-eigener-Autor“ Berechtigung und Leserschaft hat und findet, so trifft dies auch auf den manchmal als antiquiert angesehenen Buchdruck zu. Haptisches lässt sich nicht über den Computer erfahren. Für jede Geschichte und jedes Projekt gibt es stimmige Papiere, Illustrationen, Umschläge, kleine Feinheiten, die das Buch von der Massenware abhebt. Zeitgleich ermöglicht es aber gerade das Netz, eine Welt um unsere Bücher herum zu entfalten, die ansonsten gar nicht möglich wäre. SV: Ich würde da gerne noch einen Schritt weitergehen. Vom Netz her gedacht muss jede Geschichte, die heute gedruckt wird, ihren Druck legitimieren. Das heißt, wir können uns gut vorstellen, dass eins der nächsten Projekte vielleicht ein anderes Medium benötigt – dort dann aber auch die Qualitätskriterien erfüllt, die wir beim Druck ansetzen. Für uns ist die Frage nach der richtigen Form für jede Geschichte sehr wichtig, die Form, mit der sie auch ihre Leser findet. Wenn man heutzutage noch Bücher drucken lässt, sollten sie die Vorzüge des gedruckten Buchs erfüllen. Simone und unsere Typografin Grafikerin (Claudia Probst) haben sich deshalb extrem viel Zeit für die Gestaltung von „Die Guten, die Bösen und die Toten“ gelassen und liebevoll versucht, jedes Detail mit einzubeziehen, das die Verbindung von Ebeneeza Ks Bildern zu den Texten von Johan von Riepenbreuch unterstreicht.

4. Ihr seid auf vielen Kanälen unterwegs, und so wie es aussieht sehr gut vernetzt – online wie offline. Wo liegen die Schwerpunkte in eurem Marketing und wie verknüpft ihr eure Kommunikation?
Unser Schwerpunkt liegt ganz klar im Social Media Bereich bzw. im Netz, hier versuchen wir eine Community aufzubauen und eine Reichweite zu erlangen. Das würde aber nicht so gut funktionieren, würden wir nicht offline Veranstaltungen organisieren – und zwar unterschiedlichster Art. So haben wir unserer Künstlerin Ebeneeza K. eine Ausstellung (Fotos auf flickr) in der Staatsgalerie Prenzlauer Berg vermittelt, die noch bis zum 12. Dezember 2010 läuft. Diesen Ort haben wir dann regelmäßig für Events genutzt, von einem nicht geheuren Abend (Lesung und Konzert), über ein Pen & Paper-Abenteuer rund um unseren Autor bis hin zur exklusiven Preview des Hörspiels „Der Keller“ von Michael Struppek und Andreas B. Bell.
Unsere Kommunikation verknüpfen wir dabei quer – Website bzw. Blog und der Facebook-Account sind unsere „Hubs“ und von dort wird via Twitter, Email-Newsletter und Mund-zu-Mund gestreut. Wir haben noch so einige andere Ideen rund um unseren Autor, aber das kommt dann nach Weihnachten – davor stehen noch die Weihnachtsmärkte und natürlich unser eigener Pop-Up-Store auf dem Programm…
Die Guten, die Bösen und die Toten - Vernissage Die Guten, die Bösen und die Toten - Vernissage

5. Wieso glaubt ihr als Verlag an den Erfolg von Social Media, worin besteht der eurer Meinung nach?
Ganz lapidar: Weil es funktioniert. Weil es uns ermöglicht, ganz dicht dran zu sein an denjenigen, denen unser Buch auch Spaß macht. Und weil wir dank Blog, Facebook und Twitter diejenigen erreichen können, die sich für unsere Themen interessieren – oder auch diejenigen, die uns helfen unser Projekt (also so jemand wie ich, Anmerkung von Books & Brains) bekannter zu machen. Auch bei Social Media dauert es natürlich seine Zeit, bis man seine Leser gefunden hat, und wir können nur hoffen, dass sich soviele für unser Projekt begeistern, dass es lange weiterlaufen kann. Social Media ist eine unheimliche Chance für alle, die etwas erzählen wollen. Aber: bloß weil man twittert, eine Fanpage hat oder ein Blog betreibt, entsteht noch keine Community. Im Prinzip haben wir uns die Strategie für „Autoren im Netz“ angeeignet – nur als Verlag. Wir versuchen, gerade mit unserem Blog, Themen zu besetzen und weiter zu verbreiten, die uns selbst interessieren und von denen wir glauben, dass sie auch für potenzielle Leser spannend sind. Wir sind zum Beispiel selbst große Neil Gaiman und Tim Burton Fans, weshalb wir über beide schreiben. Wenn dann andere Fans der beiden auf unser Blog kommen und sie so auf unser Buch aufmerksam werden, haben wir mit unserer Begeisterung vielleicht noch jemanden angesteckt.

6. Habt ihr auch vor etwas „Elektronisches“ zu produzieren? Wo seht ihr euch mit eurem Verlag in zwei bis drei Jahren?
Wir haben etliche Ideen, die Elektronisches und Haptisches verknüpfen sollen. Beispielsweise arbeiten wir an einer Übersetzung der Texte von Johan von Riepenbreuch, die auf unserer Internetseite als Download zur Verfügung gestellt werden sollen. Es wird zu den Büchern immer wieder gestaltete Informationen geben, die kostenlos herunterladbar sein werden – das Buch ist sozusagen der Ausgangspunkt, die Erweiterung erfolgt elektronisch. Das Buch selbst wächst also immer weiter, wie die Zauberbohnen von Jack. Und am Schluss gibt es eine Rundführung im Wolkenkuckucksheim :-) Aber nicht nur textlich auch audiovisuell sind wir in der Planung. Nicht für jedes Projekt immer alles und immer alles gleich, sondern je nachdem, was passend ergänzt und verquickt. (SV)
Und wir haben natürlich nicht nur das eine Buch bzw. die eine Geschichte zu erzählen, sondern es warten schon noch ein paar weitere auf ihre Veröffentlichung – alle ein Teil der Welt vom wilden Dutzend. Wir sind jedenfalls auch außerhalb von Druckereien in Gesprächen, aber es ist noch zu früh, dazu etwas Genaueres zu sagen… (DM)

Über die beiden Verlegerinnen:
Dorothea Martin ist eigentlich Theaterwissenschaftlerin und –pädagogin. Letztes Jahr hat Dorothea bei insglück und dem treibhaus 0.8 das Handwerk der Konzeption von Events und Markeninszenierung gelernt und verdient nun damit in der Kombination mit Social Media auch freiberuflich ihr Geld. Zum Verlagswesen kommt sie über ihre Liebe zu Geschichten: „… ob als Buch, Serie, Comic oder Erzählung und irgendwann lernt man dann natürlich auch die richtigen Leute für so ein großes Projekt kennen„. Dass sie sich für neue Technologien begeistert kommt dabei ganz gelegen, und die Liebe zu Kaffee, gutem Essen und Kochen hilft auch bei langen Teamsitzungen.
Simone Veenstra hat ihre Studienzeit (Film/Theater/Literatur) in Erlangen, Groningen, New York und Berlin verbracht, am Theater gearbeitet, als Redakteurin – print und online – und ganz am Anfang des Mediums interaktive Webserien entwickelt. Es gibt über 30 Bücher von ihr in diversen Verlagen, sie schreibt fürs Fernsehen und sammelt leidenschaftlich Bücher und Comics – gerne, ganz Nerd, in mehreren Ausgaben und Sprachen.

Fast zeitglich (ein paar wenige Tage zuvor) schrieb das eveos blog, News, Tipps & Artikel aus der Eventbranche über die kreativen Events von Das wilde Dutzend. Und hier gibt`s noch mehr Fotos (flickr) und Bewegtbilder (vimeo).

Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Wibke Ladwig (Teil 5)

28. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach vier tollen und interessanten Interviews mit Leander Wattig, Holger Reichard, Anne Schulte und Stefanie Leo, stellte sich für mich die Frage, wen oder was könnte man noch bringen? Sollte es noch ein Mann oder eine Frau sein in dieser Reihe? Nein, besser, ich dachte an eine „Königin“! Jetzt also, last but not least: Wibke Ladwig aka Miss Bookfair 2010 aka @sinnundverstand aka DJane „Die-wie-keine-andere-die-#Plattensammlung-auf-Twitter-beherrscht“ schließt die Reihe ab. Frau Ladwig brauche ich wohl nicht näher vorstellen. Wer sie nicht kennt ist eh verloren!

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Wibke Ladwig: Aus meiner sehr subjektiven Wahrnehmung der Buchmesse heraus bin ich positiv überrascht, wie selbstverständlich das Thema inzwischen behandelt wird. Dass Digitalisierung und Internet nicht als „Hype“ zu verstehen sind, den man nur aussitzen muss, scheint von der Buchbranche begriffen oder hingenommen worden zu sein. Ich habe auch den Eindruck, dass durch Social Media das Thema nun auch in Abteilungen schwappt, die bislang wenig mit der Digitalisierung konfrontiert wurden, beispielsweise Presse und Marketing. Zuvor stand doch eher der technische Aspekt im Vordergrund, weniger, wie man als Verlag im Internet kommuniziert.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Wibke Ladwig: Ich habe einen Vortrag im Forum Zukunft zum Thema „Hege & Pflege von Social Media-Accounts – Integration von Facebook, Twitter & Co. im Verlagsalltag“ gehalten. Der Vortrag war außerordentlich gut besucht. Neben der großen Aufmerksamkeit haben mich die vielen Fragen am Ende des Vortrags gefreut. Diese Fragen haben mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, diese Themen mit viel Praxisnähe und in verständlichen Worte in die Verlage zu tragen. Und wie hilfreich es ist, wenn man selber über Erfahrung aus Buchhandel und Verlagen verfügt. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir Webjunkies uns in einer Parallelwelt aufhalten und viele Themen, die uns bereits hinreichend diskutiert und gut abgehangen erscheinen, vielerorts jetzt, in diesem Moment, neu auf den Tisch kommen.

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Wibke Ladwig: Ich habe viele Gespräche auf der Messe geführt und vor allem feststellen können, dass der Druck, tätig zu werden, deutlich spürbar ist und viel ausprobiert wird. Wie sich in vielen Gesprächen herausstellte, ist es problematisch, dass das nötige Know-how und Mitarbeiter für Aufgaben, die durch die Digitalisierung und das Internet neu entstehen, oftmals fehlen. Von der technischen Infrastruktur ganz abgesehen. Neben dem „klassischen“ Publizieren von Büchern steht die Herausforderung, digitale Produkte für einen Markt zu konzipieren, in dem zur Zeit noch keine bemerkenswerten Umsätze zu erwarten sind.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Wibke Ladwig: Schwer zu sagen, da ich die Themen für Fach-, Wissens- und Publikumsverlage jeweils unterschiedlich gewichten würde. Meiner Überzeugung nach wäre den Verlagen sehr damit geholfen, nicht in „entweder-oder“ zu denken. Digitale Themen sollten grundsätzlich integriert und in der Wertschöpfungskette mitgedacht werden. Zentral sind für mich die Mitarbeiter in der Buchbranche. Man darf nicht vergessen, dass wir in einer sehr traditionsverhafteten Branche arbeiten. Diese zieht naturgemäß auch Menschen an, die Traditionen schätzen und bewahren. Was mitunter im Konflikt steht zu den Veränderungen, die durch Internet und Digitalisierung notwendig werden.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Wibke Ladwig: Meine Arbeit wird durch die aktuellen Veränderungen definiert. Die Buchbranche wird sich verändern. Entscheidend sogar, wie ich annehme. Mein Platz ist derzeit an der Schnittstelle zwischen Buchbranche und Web. Meine Aufgabe ist, diese Veränderungen in unserer wunderlich-wunderbaren Buchbranche tatkräftig und ideenreich mitzugestalten. Und natürlich spannende, eigene Projekte zu entwickeln.

Mein größtes Risiko sehe ich derzeit darin, unterwegs keine Steckdose für mein immer hungriges iPhone zu finden …

Books & Brains: Herzlichen Dank fürs Mitmachen, Wibke!

Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Stefanie Leo (Teil 4)

26. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute präsentiere ich im vierten Teil meiner Interviewreihe eine weitere Dame, die sich in der Offline- wie auch Online-Bücherwelt mehr als zu Hause fühlt: Stefanie Leo ist ein bibliophiler und digitaler Tausendsassa, sie ist Webseitenbetreiberin von www.buecherkinder.de, Bloggerin, Twitteraddict, Facebookprofi mit ihrer Initiative „Ich mach was mit Kinder-Büchern“ und umtriebige (Kinder-)Buchrezensentin u.a .auf lovelybooks.de.

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Stefanie Leo: Ich muss zugeben, dass ich erstaunt war, wie wenig ich die Digitalisierung in Form von Readern oder Tablets in den Hallen 3 und 4 wahrgenommen habe. Um mich zu informieren, bin ich extra zum HotSpot Devices, der sich in Halle 8 befand, hinüberspaziert. Leider wurde ich herb enttäuscht. Knapp zehn Geräte lagen kommentar- und lieblos nebeneinander aufgereiht am unbetreuten Stand. Schade, da hätte man eindeutig mehr daraus machen können.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Stefanie Leo: Leider hatte ich viele Termine und konnte an den sehr interessanten Veranstaltungen des Forum Zukunft nicht teilnehmen. Dafür bot sich mir aber auf kurzfristigen SocialWeb-Treffen (Twittagessen) die Möglichkeit, mit meinen virtuellen Followern vis-à-vis zu plaudern und zu netzwerken.

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Stefanie Leo: Bei meinen Gesprächen mit den Pressesprechern der Verlage wurde klar, dass gerade im Bereich SocialMedia bei vielen Kinderbuchverlagen noch Unsicherheit herrscht. Jedem ist klar, dass er im SocialWeb mitmischen sollte, aber nur wenige wissen wie.
Im Bereich der Tablet-Applikationen hatte ich mir ein offensiveres Zurschaustellen bereits fertiggestellter Apps erhofft. Doch meist wurde ich beim Vorbeischlendern nur durch ins iPad vertiefte Menschen darauf aufmerksam. Eine Ausnahme bildete da Ralph Möllers vom Terzio Verlag, der zum hotspotting: book.people in social media gleich mit zwei iPads unterm Arm anrückte.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Stefanie Leo: Ich glaube immer noch an das eBook. Ich habe mir gerade einen Reader bestellt und hoffe, dass über kurz oder lang und nach Überwindung so mancher Preisbindungsfragen und anderer Differenzen das eBook in friedlicher Koexistenz neben dem gedruckten Buch bestehen wird.

Großes Potenzial steckt sicherlich auch in Kinderbuch-Applikationen für das iPhone und iPad. Ich bin sehr gespannt, wie es dort weiter geht.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Stefanie Leo: Als Betreiberin einer Website findet mein Arbeitsleben seit knapp 8 Jahren schon digital statt. Starke Veränderungen haben sich für mich erst seit knapp einem Jahr ergeben, nachdem ich das SocialWeb für mich entdeckte. Meine Erfahrungen waren dort bislang ausnahmslos positiv, nur an meinem Zeitmanagement muss ich als SW-Junkie noch arbeiten. ;-)

Books & Brains: Lieben Dank, Steffi, für deine Antworten!

Diese Woche schließe ich diese Interviewreihe ab. Am Donnerstag werden im fünften und letzten Teil die Antworten einer nicht ganz unbekannten „Königin“ zu lesen sein.

Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Holger Reichard (Teil 2)

15. Oktober 2010 § Ein Kommentar

Im heutigen 2. Teil meiner Interviewreihe zum Thema „Digitalisierung auf der Frankfurter Buchmesse“ beschreibt Holger Reichard aka @wortmax, wie er den „digitalen Wandel“ in der Buchlandschaft auf der diesjährigen Buchmesse erlebt und was er für sich und seine Zukunft mitgenommen hat.

Holger Reichard ist Netzwerker, Autor, Blogger, Ideengeber und Betreiber von www.wortmax.de sowie der Bumsdorfer Auslese – Braunschweigs einzige und damit beste Lesebühne.

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Holger Reichard: Seit etwa sieben Jahren bin ich für meine Websites auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs. Mein Eindruck ist, dass die Digitalen Medien dort noch nie so präsent waren wie in diesem Jahr. Vor zwei Jahren noch konnte ich diesen Bereich nach kurzer Zeit enttäuscht abhaken. Dieses Mal haben drei Messetage nicht ausgereicht, um alle für mich interessanten Veranstaltungen und möglichen Verabredungen wahrzunehmen.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Holger Reichard: Besucht habe ich unter anderem den Vortrag von Wibke Ladwig über die Integration von Facebook, Twitter & Co. im Verlagsalltag. Viel Neues habe ich dort nicht erfahren, was aber daran liegt, dass ich die Entwicklungen im Bereich Social Web schon schon seit längerem sehr aufmerksam verfolge. Der Nutzen dieser und weiterer Veranstaltungen lag für mich persönlich darin, Bestätigung zu finden und (nebenbei) viele Follower und »Freunde« aus der Buchbranche persönlich kennenzulernen.

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Holger Reichard: Angekommen ist das Thema bei den Verlagen auf jeden Fall. Die Frage ist: Wie ernst wird es genommen, insbesondere von Seiten der Verlagsführung? Meinen Erfahrungen nach liegt da noch vieles im Argen. Mir ist aber aufgefallen, dass die Online-Aktivitäten der Verlage auf Plattformen wie Facebook oder Twitter gerade in den letzten Monaten stark zugenommen haben, und dass es dafür jetzt erfreulicherweise in vielen Verlagshäusern aufgeschlossene und kompetente Ansprechpartner gibt. Die hätte ich mir schon früher gewünscht.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Holger Reichard: Was Kundenbindung und Kundendialog betrifft, sammelt die Buchbranche vermutlich schon reichlich positive Erfahrungen mit den neuen Medien. Das größte Entwicklungspotenzial sehe ich deshalb im Moment im Bereich des Social Web. Bis eBooks und andere digitale Medien eine größere Bedeutung bekommen oder bestimmte Formate sich durchsetzen, wird es wohl noch etwas dauern. Ich glaube, hier wird die Zeitungsbranche, wo die Krise augenblicklich am größten zu sein scheint, die Richtung bzw. neue Lesegewohnheiten vorgeben.

Books & Brains:Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Holger Reichard: Durch die bessere Vernetzung und Kommunikation mit Kollegen, Partnern und potenziellen Kunden verändert sich meine Arbeit schon jetzt ständig, sehr konkret in Form von neuen Aufträgen und (nicht nur für die Arbeit) hilfreichen Bekanntschaften. Teilweise ergeben sich für mich sogar ganz neue Tätigkeitsfelder. Gefahren und Risiken sehe ich für mich nicht. Höchstens vergeudete Zeit, wenn die Vernetzung untereinander virtueller Natur bleibt und nicht wenigstens hin und wieder ein neues Projekt oder eine neue Zusammenarbeit daraus entsteht.

Books & Brains: Vielen Dank, Holger, hat mich sehr gefreut!

Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Leander Wattig (Teil 1)

13. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute möchte ich eine kleine Interviewreihe zum Thema „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ starten. Dazu habe ich Buchschaffenden aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen jeweils fünf Fragen gestellt. Ich bin selbst gespannt, wie die verschiedenen Sichtweisen ausfallen werden.

In der heutigen ersten Folge steht Leander Wattig, freier Berater, Blogger und Initiator von „Ich mach was mit Büchern“ Rede und Antwort.

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Leander Wattig: Die Digitalisierung ist ja schon seit vielen Jahren das heiße Thema auf der Buchmesse. Wie es sich für Hype-Themen gehört, kommt es immer wieder zu großen Übertreibungen. Doch dieses Jahr habe ich vielerorts einen angenehm nüchternen Umgang mit dem Thema erlebt.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Leander Wattig: Ein wichtiges Unterthema ist ja das der Geschäftsmodelle. Hier war ich überrascht, mit welcher Aufgeschlossenheit man inzwischen selbst eine Erlösquelle wie freiwillige Zahlungen via Flattr & Co. diskutiert. Vor 1-2 Jahren wäre ein solches Thema wahrscheinlich noch als absurd abgetan worden. [Books & Brains: Leander hat dazu selbst einen spannenden Vortrag auf der Messe gehalten. Hier geht es zu der Präsentation.]

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Leander Wattig: Ich denke schon, dass die meisten Verlage verstanden haben, dass man alte Geschäftsmodelle nicht 1:1 auf die digitale Welt übertragen kann. Allerdings bleibt das Problem, dass viele der neuen Geschäftsmodelle nicht so attraktiv sind wie die alten. Das ist gewissermaßen ein Dilemma, welches etliche Unternehmen hemmt. Nicht umsonst kommen viele der interessanten Neuerungen auf dem Markt von den so genannten „Branchenfremden“. Klasse finde ich, dass Verlagshäuser wie Droemer Knaur dennoch experimentieren und Modelle wie „neobooks“ ausprobieren.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Leander Wattig: Ich denke nach wie vor, dass das größte Potenzial für die Buchbranche im Kontakt zu den Kunden liegt. Dank des Internets besteht für jedes Unternehmen heute die Möglichkeit, eine direkte Kundenbeziehung aufzubauen. Hoffen wir mal, dass die Buchbranche diese Chance nutzt und den Kundenkontakt nicht wie die Musikindustrie den Apples dieser Welt überlässt.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Leander Wattig: Ich befasse mich mit diesen Entwicklungen u.a. als Blogger, Berater, Vortragsredner und Lehrbeauftragter. Langeweile wird also nicht aufkommen. Überhaupt blicke ich gespannt in die Zukunft. Eine solche Medien-Revolution erlebt man schließlich nicht alle Tage und ich finde es prima, diese ein kleines Stück weit mitgestalten zu können.

Books & Brains: Vielen Dank fürs Mitmachen, Leander!

In den nächsten Folgen werden ein Autor und Blogger, eine PR- und Öffentlichkeitsarbeiterin, eine Illustratorin sowie eine Online Managerin zu Wort kommen. Viel Spaß!

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