Ich fördere „Das wilde Dutzend“

7. Dezember 2010 § 3 Kommentare

Vor ca. 2 Wochen habe ich in einem kurzen Beitrag über Möglichkeiten der Projektförderung berichtet. Heute möchte ich ein „Projekt“ vorstellen, das ich als besonders förderungswürdig bezeichnen möchte:
Das wilde Dutzend ist ein junger, aufstrebender Verlag, der mit „absurden, skurrilen Geschichten und Illustrationen in interessanter und qualitativ passender Aufmachung“ aber vor allem mit kreativen, witzigen und klugen Marketingideen, on- wie auch offline und gut miteinander verknüpft, in der ersten Zeit seines Bestehens reges Interesse, Aufmerksamkeit und Reichweite generiert. Und so bin auch ich per Twitter und Facebook über Das wilde Dutzend gestolpert. Mit dem heutigen Blogpost möchte ich meinen persönlichen, ersten Beitrag leisten, damit dieser kleine und feine Verlag noch bekannter, berühmter und erfolgreicher werden kann. Die beiden Verlegerinnen Dorothea Martin und Simone Veenstra erklären einmal genauer, um was es beim wilden Dutzend geht, was die Ziele und die Herausforderungen sind und was das Besondere an dem Verlag in Zeiten des Web2.0 ist.

1. Für was steht Das wilde Dutzend?
Das wilde Dutzend passt doppelt gut: Zum einen ist es der ins Neudeutsche übersetzte Name der Loge, die hinter diesem Verlag steht – zwozale wildenaere. Ein Geheimbund, der es sich bereits seit dem Mittelalter auf die Fahnen geschrieben hat, Geheimnisse aus Literatur- und Kunst/Kulturgeschichte aufzudecken. Für diese (rätselhafterweise immer 13 statt 12 Mitglieder) führen wir den Verlag, leihen ihm unser Gesicht, damit diese weiter inkognito bleiben können.

Zum anderen sind wir zwei Verlegerinnen ja nicht die einzigen, die hinter unseren Projekten stecken. Da gibt es Grafiker, Designer, Typografen, Illustratoren, Eventmanager, SEO-Fachleute, Druckexperten – also zwei Handvoll Experten, die uns zur Seite stehen.

2. Die Henne-Ei-Frage: Was war zuerst, die Idee von Büchern oder vom Netz oder von beidem? Oder ganz anders? Wie kam es dazu?
Eigentlich kann man sagen, es ging Hand in Hand. Die ursprüngliche Idee zum Verlag gibt es schon eine ganze Weile – ausgelöst von der Feststellung einiger in unterschiedlichen Verlagsbereichen arbeitender Mitstreiter, dass sich bei Inhalten und Umsetzungen zunehmend weniger „getraut“ wird. Viel wird von hinten aufgezäumt: Treffen wir die größtmögliche Zielgruppe. Sind wir politisch korrekt genug, irritieren wir niemanden.
In erster Linie auf interessante Inhalte und außergewöhnliche Umsetzungen zu achten kann man sich natürlich am besten als kleiner, unabhängiger Verlag leisten. (Und da sind wir nicht die einzigen, auch wenn es unser Schwerpunkt ist). Auf der anderen Seite sind auch die Mechanismen des Marketing, der PR und des Vertriebs Faktoren, die bei vielen Unternehmen in Stein gemeißelt feststehen und die die Projekte selbst beeinflussen. Auch das geht anders, dachten wir uns. Alles aus einer Hand. Selbstgemacht und trotzdem professionell. Und in der Kombination der beiden Verlegerinnen hatten wir auch beide Seiten – Inhalt/Form und neue Wege in die Öffentlichkeit – von Anfang an dabei.

3. Macht es heutzutage überhaupt Sinn, noch einen Verlag zu gründen, um „echte“ Bücher zu verlegen, wo doch im Netz jeder auch selbst Autor und Produzent sein kann?
Auf jeden Fall. So wie der „jeder-ist-im-Netz-sein-eigener-Autor“ Berechtigung und Leserschaft hat und findet, so trifft dies auch auf den manchmal als antiquiert angesehenen Buchdruck zu. Haptisches lässt sich nicht über den Computer erfahren. Für jede Geschichte und jedes Projekt gibt es stimmige Papiere, Illustrationen, Umschläge, kleine Feinheiten, die das Buch von der Massenware abhebt. Zeitgleich ermöglicht es aber gerade das Netz, eine Welt um unsere Bücher herum zu entfalten, die ansonsten gar nicht möglich wäre. SV: Ich würde da gerne noch einen Schritt weitergehen. Vom Netz her gedacht muss jede Geschichte, die heute gedruckt wird, ihren Druck legitimieren. Das heißt, wir können uns gut vorstellen, dass eins der nächsten Projekte vielleicht ein anderes Medium benötigt – dort dann aber auch die Qualitätskriterien erfüllt, die wir beim Druck ansetzen. Für uns ist die Frage nach der richtigen Form für jede Geschichte sehr wichtig, die Form, mit der sie auch ihre Leser findet. Wenn man heutzutage noch Bücher drucken lässt, sollten sie die Vorzüge des gedruckten Buchs erfüllen. Simone und unsere Typografin Grafikerin (Claudia Probst) haben sich deshalb extrem viel Zeit für die Gestaltung von „Die Guten, die Bösen und die Toten“ gelassen und liebevoll versucht, jedes Detail mit einzubeziehen, das die Verbindung von Ebeneeza Ks Bildern zu den Texten von Johan von Riepenbreuch unterstreicht.

4. Ihr seid auf vielen Kanälen unterwegs, und so wie es aussieht sehr gut vernetzt – online wie offline. Wo liegen die Schwerpunkte in eurem Marketing und wie verknüpft ihr eure Kommunikation?
Unser Schwerpunkt liegt ganz klar im Social Media Bereich bzw. im Netz, hier versuchen wir eine Community aufzubauen und eine Reichweite zu erlangen. Das würde aber nicht so gut funktionieren, würden wir nicht offline Veranstaltungen organisieren – und zwar unterschiedlichster Art. So haben wir unserer Künstlerin Ebeneeza K. eine Ausstellung (Fotos auf flickr) in der Staatsgalerie Prenzlauer Berg vermittelt, die noch bis zum 12. Dezember 2010 läuft. Diesen Ort haben wir dann regelmäßig für Events genutzt, von einem nicht geheuren Abend (Lesung und Konzert), über ein Pen & Paper-Abenteuer rund um unseren Autor bis hin zur exklusiven Preview des Hörspiels „Der Keller“ von Michael Struppek und Andreas B. Bell.
Unsere Kommunikation verknüpfen wir dabei quer – Website bzw. Blog und der Facebook-Account sind unsere „Hubs“ und von dort wird via Twitter, Email-Newsletter und Mund-zu-Mund gestreut. Wir haben noch so einige andere Ideen rund um unseren Autor, aber das kommt dann nach Weihnachten – davor stehen noch die Weihnachtsmärkte und natürlich unser eigener Pop-Up-Store auf dem Programm…
Die Guten, die Bösen und die Toten - Vernissage Die Guten, die Bösen und die Toten - Vernissage

5. Wieso glaubt ihr als Verlag an den Erfolg von Social Media, worin besteht der eurer Meinung nach?
Ganz lapidar: Weil es funktioniert. Weil es uns ermöglicht, ganz dicht dran zu sein an denjenigen, denen unser Buch auch Spaß macht. Und weil wir dank Blog, Facebook und Twitter diejenigen erreichen können, die sich für unsere Themen interessieren – oder auch diejenigen, die uns helfen unser Projekt (also so jemand wie ich, Anmerkung von Books & Brains) bekannter zu machen. Auch bei Social Media dauert es natürlich seine Zeit, bis man seine Leser gefunden hat, und wir können nur hoffen, dass sich soviele für unser Projekt begeistern, dass es lange weiterlaufen kann. Social Media ist eine unheimliche Chance für alle, die etwas erzählen wollen. Aber: bloß weil man twittert, eine Fanpage hat oder ein Blog betreibt, entsteht noch keine Community. Im Prinzip haben wir uns die Strategie für „Autoren im Netz“ angeeignet – nur als Verlag. Wir versuchen, gerade mit unserem Blog, Themen zu besetzen und weiter zu verbreiten, die uns selbst interessieren und von denen wir glauben, dass sie auch für potenzielle Leser spannend sind. Wir sind zum Beispiel selbst große Neil Gaiman und Tim Burton Fans, weshalb wir über beide schreiben. Wenn dann andere Fans der beiden auf unser Blog kommen und sie so auf unser Buch aufmerksam werden, haben wir mit unserer Begeisterung vielleicht noch jemanden angesteckt.

6. Habt ihr auch vor etwas „Elektronisches“ zu produzieren? Wo seht ihr euch mit eurem Verlag in zwei bis drei Jahren?
Wir haben etliche Ideen, die Elektronisches und Haptisches verknüpfen sollen. Beispielsweise arbeiten wir an einer Übersetzung der Texte von Johan von Riepenbreuch, die auf unserer Internetseite als Download zur Verfügung gestellt werden sollen. Es wird zu den Büchern immer wieder gestaltete Informationen geben, die kostenlos herunterladbar sein werden – das Buch ist sozusagen der Ausgangspunkt, die Erweiterung erfolgt elektronisch. Das Buch selbst wächst also immer weiter, wie die Zauberbohnen von Jack. Und am Schluss gibt es eine Rundführung im Wolkenkuckucksheim :-) Aber nicht nur textlich auch audiovisuell sind wir in der Planung. Nicht für jedes Projekt immer alles und immer alles gleich, sondern je nachdem, was passend ergänzt und verquickt. (SV)
Und wir haben natürlich nicht nur das eine Buch bzw. die eine Geschichte zu erzählen, sondern es warten schon noch ein paar weitere auf ihre Veröffentlichung – alle ein Teil der Welt vom wilden Dutzend. Wir sind jedenfalls auch außerhalb von Druckereien in Gesprächen, aber es ist noch zu früh, dazu etwas Genaueres zu sagen… (DM)

Über die beiden Verlegerinnen:
Dorothea Martin ist eigentlich Theaterwissenschaftlerin und –pädagogin. Letztes Jahr hat Dorothea bei insglück und dem treibhaus 0.8 das Handwerk der Konzeption von Events und Markeninszenierung gelernt und verdient nun damit in der Kombination mit Social Media auch freiberuflich ihr Geld. Zum Verlagswesen kommt sie über ihre Liebe zu Geschichten: „… ob als Buch, Serie, Comic oder Erzählung und irgendwann lernt man dann natürlich auch die richtigen Leute für so ein großes Projekt kennen„. Dass sie sich für neue Technologien begeistert kommt dabei ganz gelegen, und die Liebe zu Kaffee, gutem Essen und Kochen hilft auch bei langen Teamsitzungen.
Simone Veenstra hat ihre Studienzeit (Film/Theater/Literatur) in Erlangen, Groningen, New York und Berlin verbracht, am Theater gearbeitet, als Redakteurin – print und online – und ganz am Anfang des Mediums interaktive Webserien entwickelt. Es gibt über 30 Bücher von ihr in diversen Verlagen, sie schreibt fürs Fernsehen und sammelt leidenschaftlich Bücher und Comics – gerne, ganz Nerd, in mehreren Ausgaben und Sprachen.

Fast zeitglich (ein paar wenige Tage zuvor) schrieb das eveos blog, News, Tipps & Artikel aus der Eventbranche über die kreativen Events von Das wilde Dutzend. Und hier gibt`s noch mehr Fotos (flickr) und Bewegtbilder (vimeo).

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Ich fördere, also bin ich

23. November 2010 § 7 Kommentare

Zurzeit beschäftigen mich intensiv zwei Themen: Crowdfunding und Crowdsourcing. Es geht um das Fördern und Unterstützen von Projekten und Geschäftsideen durch eine (meist anonyme) Masse aus (beliebig) vielen Einzelpersonen. Beim Crowdfunding geht es mehr oder weniger um eine „Geldspende“. Mit einem kleinen Teilbetrag in Höhe von 8,- Euro könnte ich bspw. Projekte wie dieses außergewöhnliche Vorhaben, Snowboarding Iran, über die Plattform startnext.de unterstützen. Für diese 8,- Euro würde ich etwas Geldwertes zurück bekommen, ein original Filmposter. Für einen niedrigen dreistelligen Betrag wäre am Ende das Original-Drehbuch drin, für einen vierstelligen erhielte man sogar „kostenlosen Zugriff“ auf das Fimmaterial. Abgefahrene Idee, 15.400,- Euro beträgt die gesamte Fundingsumme, damit das Projekt realisiert werden kann. Leider ist Snowboarden nicht mein Thema. Immerhin konnte ich hier auf das Projekt aufmerksam machen!

Ich möchte Projekte unterstützen, worin ich mich wiederfinden kann, in der Thematik ebenso wie in den Personen, die dahinter stehen. Ich möchte mich mit dem Projektinhaber oder alleine mit mir auseinandersetzen können, wo, was und WIE ich fördere: Welche Möglichkeiten gibt es für mich außer eine bestimmte Summe Geld zu geben? Es geht um ein geistiges und virtuelles Engagement (in der Summe mit anderen), um etwas in Gang zu setzen. Womit wir beim zweiten Thema angelangt wären, dem Crowdsourcing. Eine Masse an „kostenloser Intelligenz“ bringt sich mit ihrem gesamten Wissen und Können, ihrer Erfahrung und ihrer Manpower in Projekte ein, um Aufgaben und Probleme zu lösen.

Crowdfunding und Crowdsourcing sind durch das Internet in Mode gekommen und finden heute im Web2.0 Anwendung. Da ich mich in dieser Welt ebenfalls tummle und sehr wohl fühle, mir aber auch, wie bekannt ist, die Welt der realen Bücher, Kunst und Kultur am Herzen liegt, möchte ich mich in „moderne“ Buch-Kunst-Kultur-Projekte einbringen. In Projekte, wo neue Wege beschritten werden, Klassisches mit Innovativem verbunden wird, vielleicht sogar verschmilzt, wo neues ausprobiert und gewagt wird, und wo mutige, kreative und außergewöhnliche Menschen dahinter stehen. Dabei sollen natürlich das Marketing und die Kommunikation über Online- und Social Media-Kanäle im Vordergrund stehen.

Was habe ich davon, außer Ruhm und Ehre, die mir zuteil werden? Es geht mir nach wie vor ganz klar um (m)eine wachsende Vernetzung sowie Präsenz im Web2.0, um meine Positionierung und meine Reputation! Faszinierend ist aber auch allein die Möglichkeit, sich mit Hilfe des Webs einbringen und etwas fördern zu können. Das gibt mir sehr viel zurück – vorausgesetzt, ich sehe, wie das Geförderte wächst und gedeiht! Und gegen eine spätere Rendite habe ich natürlich auch nichts.

In mehreren Beiträgen werde ich euch nach und nach von Projekten berichten, die ich ganz gezielt fördern und unterstützen möchte, weil ich in ihnen Potenzial und Zukunft sehe.

Wo bin ich?

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