Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Wibke Ladwig (Teil 5)

28. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach vier tollen und interessanten Interviews mit Leander Wattig, Holger Reichard, Anne Schulte und Stefanie Leo, stellte sich für mich die Frage, wen oder was könnte man noch bringen? Sollte es noch ein Mann oder eine Frau sein in dieser Reihe? Nein, besser, ich dachte an eine „Königin“! Jetzt also, last but not least: Wibke Ladwig aka Miss Bookfair 2010 aka @sinnundverstand aka DJane „Die-wie-keine-andere-die-#Plattensammlung-auf-Twitter-beherrscht“ schließt die Reihe ab. Frau Ladwig brauche ich wohl nicht näher vorstellen. Wer sie nicht kennt ist eh verloren!

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Wibke Ladwig: Aus meiner sehr subjektiven Wahrnehmung der Buchmesse heraus bin ich positiv überrascht, wie selbstverständlich das Thema inzwischen behandelt wird. Dass Digitalisierung und Internet nicht als „Hype“ zu verstehen sind, den man nur aussitzen muss, scheint von der Buchbranche begriffen oder hingenommen worden zu sein. Ich habe auch den Eindruck, dass durch Social Media das Thema nun auch in Abteilungen schwappt, die bislang wenig mit der Digitalisierung konfrontiert wurden, beispielsweise Presse und Marketing. Zuvor stand doch eher der technische Aspekt im Vordergrund, weniger, wie man als Verlag im Internet kommuniziert.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Wibke Ladwig: Ich habe einen Vortrag im Forum Zukunft zum Thema „Hege & Pflege von Social Media-Accounts – Integration von Facebook, Twitter & Co. im Verlagsalltag“ gehalten. Der Vortrag war außerordentlich gut besucht. Neben der großen Aufmerksamkeit haben mich die vielen Fragen am Ende des Vortrags gefreut. Diese Fragen haben mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, diese Themen mit viel Praxisnähe und in verständlichen Worte in die Verlage zu tragen. Und wie hilfreich es ist, wenn man selber über Erfahrung aus Buchhandel und Verlagen verfügt. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir Webjunkies uns in einer Parallelwelt aufhalten und viele Themen, die uns bereits hinreichend diskutiert und gut abgehangen erscheinen, vielerorts jetzt, in diesem Moment, neu auf den Tisch kommen.

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Wibke Ladwig: Ich habe viele Gespräche auf der Messe geführt und vor allem feststellen können, dass der Druck, tätig zu werden, deutlich spürbar ist und viel ausprobiert wird. Wie sich in vielen Gesprächen herausstellte, ist es problematisch, dass das nötige Know-how und Mitarbeiter für Aufgaben, die durch die Digitalisierung und das Internet neu entstehen, oftmals fehlen. Von der technischen Infrastruktur ganz abgesehen. Neben dem „klassischen“ Publizieren von Büchern steht die Herausforderung, digitale Produkte für einen Markt zu konzipieren, in dem zur Zeit noch keine bemerkenswerten Umsätze zu erwarten sind.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Wibke Ladwig: Schwer zu sagen, da ich die Themen für Fach-, Wissens- und Publikumsverlage jeweils unterschiedlich gewichten würde. Meiner Überzeugung nach wäre den Verlagen sehr damit geholfen, nicht in „entweder-oder“ zu denken. Digitale Themen sollten grundsätzlich integriert und in der Wertschöpfungskette mitgedacht werden. Zentral sind für mich die Mitarbeiter in der Buchbranche. Man darf nicht vergessen, dass wir in einer sehr traditionsverhafteten Branche arbeiten. Diese zieht naturgemäß auch Menschen an, die Traditionen schätzen und bewahren. Was mitunter im Konflikt steht zu den Veränderungen, die durch Internet und Digitalisierung notwendig werden.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Wibke Ladwig: Meine Arbeit wird durch die aktuellen Veränderungen definiert. Die Buchbranche wird sich verändern. Entscheidend sogar, wie ich annehme. Mein Platz ist derzeit an der Schnittstelle zwischen Buchbranche und Web. Meine Aufgabe ist, diese Veränderungen in unserer wunderlich-wunderbaren Buchbranche tatkräftig und ideenreich mitzugestalten. Und natürlich spannende, eigene Projekte zu entwickeln.

Mein größtes Risiko sehe ich derzeit darin, unterwegs keine Steckdose für mein immer hungriges iPhone zu finden …

Books & Brains: Herzlichen Dank fürs Mitmachen, Wibke!

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