Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Leander Wattig (Teil 1)

13. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute möchte ich eine kleine Interviewreihe zum Thema „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ starten. Dazu habe ich Buchschaffenden aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen jeweils fünf Fragen gestellt. Ich bin selbst gespannt, wie die verschiedenen Sichtweisen ausfallen werden.

In der heutigen ersten Folge steht Leander Wattig, freier Berater, Blogger und Initiator von „Ich mach was mit Büchern“ Rede und Antwort.

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Leander Wattig: Die Digitalisierung ist ja schon seit vielen Jahren das heiße Thema auf der Buchmesse. Wie es sich für Hype-Themen gehört, kommt es immer wieder zu großen Übertreibungen. Doch dieses Jahr habe ich vielerorts einen angenehm nüchternen Umgang mit dem Thema erlebt.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Leander Wattig: Ein wichtiges Unterthema ist ja das der Geschäftsmodelle. Hier war ich überrascht, mit welcher Aufgeschlossenheit man inzwischen selbst eine Erlösquelle wie freiwillige Zahlungen via Flattr & Co. diskutiert. Vor 1-2 Jahren wäre ein solches Thema wahrscheinlich noch als absurd abgetan worden. [Books & Brains: Leander hat dazu selbst einen spannenden Vortrag auf der Messe gehalten. Hier geht es zu der Präsentation.]

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Leander Wattig: Ich denke schon, dass die meisten Verlage verstanden haben, dass man alte Geschäftsmodelle nicht 1:1 auf die digitale Welt übertragen kann. Allerdings bleibt das Problem, dass viele der neuen Geschäftsmodelle nicht so attraktiv sind wie die alten. Das ist gewissermaßen ein Dilemma, welches etliche Unternehmen hemmt. Nicht umsonst kommen viele der interessanten Neuerungen auf dem Markt von den so genannten „Branchenfremden“. Klasse finde ich, dass Verlagshäuser wie Droemer Knaur dennoch experimentieren und Modelle wie „neobooks“ ausprobieren.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Leander Wattig: Ich denke nach wie vor, dass das größte Potenzial für die Buchbranche im Kontakt zu den Kunden liegt. Dank des Internets besteht für jedes Unternehmen heute die Möglichkeit, eine direkte Kundenbeziehung aufzubauen. Hoffen wir mal, dass die Buchbranche diese Chance nutzt und den Kundenkontakt nicht wie die Musikindustrie den Apples dieser Welt überlässt.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Leander Wattig: Ich befasse mich mit diesen Entwicklungen u.a. als Blogger, Berater, Vortragsredner und Lehrbeauftragter. Langeweile wird also nicht aufkommen. Überhaupt blicke ich gespannt in die Zukunft. Eine solche Medien-Revolution erlebt man schließlich nicht alle Tage und ich finde es prima, diese ein kleines Stück weit mitgestalten zu können.

Books & Brains: Vielen Dank fürs Mitmachen, Leander!

In den nächsten Folgen werden ein Autor und Blogger, eine PR- und Öffentlichkeitsarbeiterin, eine Illustratorin sowie eine Online Managerin zu Wort kommen. Viel Spaß!

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