Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Wibke Ladwig (Teil 5)

28. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach vier tollen und interessanten Interviews mit Leander Wattig, Holger Reichard, Anne Schulte und Stefanie Leo, stellte sich für mich die Frage, wen oder was könnte man noch bringen? Sollte es noch ein Mann oder eine Frau sein in dieser Reihe? Nein, besser, ich dachte an eine „Königin“! Jetzt also, last but not least: Wibke Ladwig aka Miss Bookfair 2010 aka @sinnundverstand aka DJane „Die-wie-keine-andere-die-#Plattensammlung-auf-Twitter-beherrscht“ schließt die Reihe ab. Frau Ladwig brauche ich wohl nicht näher vorstellen. Wer sie nicht kennt ist eh verloren!

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Wibke Ladwig: Aus meiner sehr subjektiven Wahrnehmung der Buchmesse heraus bin ich positiv überrascht, wie selbstverständlich das Thema inzwischen behandelt wird. Dass Digitalisierung und Internet nicht als „Hype“ zu verstehen sind, den man nur aussitzen muss, scheint von der Buchbranche begriffen oder hingenommen worden zu sein. Ich habe auch den Eindruck, dass durch Social Media das Thema nun auch in Abteilungen schwappt, die bislang wenig mit der Digitalisierung konfrontiert wurden, beispielsweise Presse und Marketing. Zuvor stand doch eher der technische Aspekt im Vordergrund, weniger, wie man als Verlag im Internet kommuniziert.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Wibke Ladwig: Ich habe einen Vortrag im Forum Zukunft zum Thema „Hege & Pflege von Social Media-Accounts – Integration von Facebook, Twitter & Co. im Verlagsalltag“ gehalten. Der Vortrag war außerordentlich gut besucht. Neben der großen Aufmerksamkeit haben mich die vielen Fragen am Ende des Vortrags gefreut. Diese Fragen haben mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, diese Themen mit viel Praxisnähe und in verständlichen Worte in die Verlage zu tragen. Und wie hilfreich es ist, wenn man selber über Erfahrung aus Buchhandel und Verlagen verfügt. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir Webjunkies uns in einer Parallelwelt aufhalten und viele Themen, die uns bereits hinreichend diskutiert und gut abgehangen erscheinen, vielerorts jetzt, in diesem Moment, neu auf den Tisch kommen.

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Wibke Ladwig: Ich habe viele Gespräche auf der Messe geführt und vor allem feststellen können, dass der Druck, tätig zu werden, deutlich spürbar ist und viel ausprobiert wird. Wie sich in vielen Gesprächen herausstellte, ist es problematisch, dass das nötige Know-how und Mitarbeiter für Aufgaben, die durch die Digitalisierung und das Internet neu entstehen, oftmals fehlen. Von der technischen Infrastruktur ganz abgesehen. Neben dem „klassischen“ Publizieren von Büchern steht die Herausforderung, digitale Produkte für einen Markt zu konzipieren, in dem zur Zeit noch keine bemerkenswerten Umsätze zu erwarten sind.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Wibke Ladwig: Schwer zu sagen, da ich die Themen für Fach-, Wissens- und Publikumsverlage jeweils unterschiedlich gewichten würde. Meiner Überzeugung nach wäre den Verlagen sehr damit geholfen, nicht in „entweder-oder“ zu denken. Digitale Themen sollten grundsätzlich integriert und in der Wertschöpfungskette mitgedacht werden. Zentral sind für mich die Mitarbeiter in der Buchbranche. Man darf nicht vergessen, dass wir in einer sehr traditionsverhafteten Branche arbeiten. Diese zieht naturgemäß auch Menschen an, die Traditionen schätzen und bewahren. Was mitunter im Konflikt steht zu den Veränderungen, die durch Internet und Digitalisierung notwendig werden.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Wibke Ladwig: Meine Arbeit wird durch die aktuellen Veränderungen definiert. Die Buchbranche wird sich verändern. Entscheidend sogar, wie ich annehme. Mein Platz ist derzeit an der Schnittstelle zwischen Buchbranche und Web. Meine Aufgabe ist, diese Veränderungen in unserer wunderlich-wunderbaren Buchbranche tatkräftig und ideenreich mitzugestalten. Und natürlich spannende, eigene Projekte zu entwickeln.

Mein größtes Risiko sehe ich derzeit darin, unterwegs keine Steckdose für mein immer hungriges iPhone zu finden …

Books & Brains: Herzlichen Dank fürs Mitmachen, Wibke!

Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Stefanie Leo (Teil 4)

26. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute präsentiere ich im vierten Teil meiner Interviewreihe eine weitere Dame, die sich in der Offline- wie auch Online-Bücherwelt mehr als zu Hause fühlt: Stefanie Leo ist ein bibliophiler und digitaler Tausendsassa, sie ist Webseitenbetreiberin von www.buecherkinder.de, Bloggerin, Twitteraddict, Facebookprofi mit ihrer Initiative „Ich mach was mit Kinder-Büchern“ und umtriebige (Kinder-)Buchrezensentin u.a .auf lovelybooks.de.

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Stefanie Leo: Ich muss zugeben, dass ich erstaunt war, wie wenig ich die Digitalisierung in Form von Readern oder Tablets in den Hallen 3 und 4 wahrgenommen habe. Um mich zu informieren, bin ich extra zum HotSpot Devices, der sich in Halle 8 befand, hinüberspaziert. Leider wurde ich herb enttäuscht. Knapp zehn Geräte lagen kommentar- und lieblos nebeneinander aufgereiht am unbetreuten Stand. Schade, da hätte man eindeutig mehr daraus machen können.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Stefanie Leo: Leider hatte ich viele Termine und konnte an den sehr interessanten Veranstaltungen des Forum Zukunft nicht teilnehmen. Dafür bot sich mir aber auf kurzfristigen SocialWeb-Treffen (Twittagessen) die Möglichkeit, mit meinen virtuellen Followern vis-à-vis zu plaudern und zu netzwerken.

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Stefanie Leo: Bei meinen Gesprächen mit den Pressesprechern der Verlage wurde klar, dass gerade im Bereich SocialMedia bei vielen Kinderbuchverlagen noch Unsicherheit herrscht. Jedem ist klar, dass er im SocialWeb mitmischen sollte, aber nur wenige wissen wie.
Im Bereich der Tablet-Applikationen hatte ich mir ein offensiveres Zurschaustellen bereits fertiggestellter Apps erhofft. Doch meist wurde ich beim Vorbeischlendern nur durch ins iPad vertiefte Menschen darauf aufmerksam. Eine Ausnahme bildete da Ralph Möllers vom Terzio Verlag, der zum hotspotting: book.people in social media gleich mit zwei iPads unterm Arm anrückte.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Stefanie Leo: Ich glaube immer noch an das eBook. Ich habe mir gerade einen Reader bestellt und hoffe, dass über kurz oder lang und nach Überwindung so mancher Preisbindungsfragen und anderer Differenzen das eBook in friedlicher Koexistenz neben dem gedruckten Buch bestehen wird.

Großes Potenzial steckt sicherlich auch in Kinderbuch-Applikationen für das iPhone und iPad. Ich bin sehr gespannt, wie es dort weiter geht.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Stefanie Leo: Als Betreiberin einer Website findet mein Arbeitsleben seit knapp 8 Jahren schon digital statt. Starke Veränderungen haben sich für mich erst seit knapp einem Jahr ergeben, nachdem ich das SocialWeb für mich entdeckte. Meine Erfahrungen waren dort bislang ausnahmslos positiv, nur an meinem Zeitmanagement muss ich als SW-Junkie noch arbeiten. ;-)

Books & Brains: Lieben Dank, Steffi, für deine Antworten!

Diese Woche schließe ich diese Interviewreihe ab. Am Donnerstag werden im fünften und letzten Teil die Antworten einer nicht ganz unbekannten „Königin“ zu lesen sein.

Können Schulbücher durch Apps ersetzt werden?

20. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Mit dieser und anderen Fragen beschäftigen sich am kommenden Sonntag, 24. Oktober 2010, die Organisatoren, Jakob Fricke und Basti Hirsch, sowie die Teilnehmer des Buch- und Bildungsbrunch im Betahaus Hamburg.

Werden sich weiterentwickelnde Technologien wie das Internet in Zukunft nicht nur unsere Kommunikation, das Freizeit- und Berufsleben weiter verändern, sondern maßgeblich auch die Bildung sowie die Art und Weise unseres Lernens?

Auf der Veranstaltungsseite wird folgende Frage formuliert: „Mit dem iPhone in den Wald statt Schulbuch und Kreidetafel im Klassenraum?“ Welche neuen Möglichkeiten könnten bspw. Apps für den Unterricht bedeuten? Können solche neuartigen Lernmittel eine sinnvolle Ergänzung darstellen, Bücher in gewisser Weise ersetzen oder völlig neue Lehransätze und -methoden bieten?

Bildungs-, Buch- und Internetbegeisterte wollen in Projektgruppen die mögliche Umsetzung digitaler Lernmittel diskutieren, Ideen sammeln und Lösungsansätze erarbeiten.

Mit dabei sind u.a. der yanusverlag (Hamburg), textunes (Berlin) und PAUX (Berlin). Alle Informationen und Anmeldung unter www.bildungsbrunch.de

Man darf auf die Ergebnisse und den weiteren Fortgang gespannt sein!

Guten App-etit!

Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Anne Schulte (Teil 3)

19. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Es ist wieder so weit: Im 3. Teil meiner Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ hofft Anne Schulte sehr, „dass die Verlage und Buchhändler sich das Thema nicht von Technokraten und Monopolisten ‚vom Brot nehmen lassen'“. Anne Schulte ist studierte Kulturwissenschaftlerin aus Berlin mit viel Erfahrung in der Verlags-PR, z.B. für Phaidon und Actar.

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Anne Schulte: Mein Eindruck ist, dass das Thema mittlerweile selbstverständlicher behandelt wird. Während noch vor einem halben Jahr eine große Aufregung vorherrschte, hat sich mittlerweile die Überzeugung durchgesetzt: Papier bleibt auch. Das beruhigt und lässt das Thema sachlicher diskutieren.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Anne Schulte: Ich habe einige Veranstaltungen zum Thema „Social Media“ besucht –  es ist schon beeindruckend, was man über diese Netzwerke erreichen und welche spannenden Kontakte man darüber knüpfen kann. Eine komplette Veranstaltung zum Thema „E-Book“ habe ich auf der Messe nicht besucht, ich habe aber vor, bei der Konferenz HOMER 3.0 Anfang November in Berlin teilzunehmen.

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Anne Schulte: Tatsächlich habe ich sehr viel Papier gesehen… Da ich aber vor allem mit Kunst- und Designverlagen zu tun habe, ist das sicher auch noch einmal eine besondere Sparte, in der auf Haptik und Gestaltung sehr viel Wert gelegt wird. An vielen Verlagsständen musste man noch genauer hinsehen, aber dann wurde man fast überall fündig – die neuen Medien ergänzen die gedruckte Form und machen Bücher vielfältiger.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Anne Schulte: Ich hoffe sehr, dass die Verlage und Buchhändler sich das Thema nicht von Technokraten und Monopolisten „vom Brot nehmen lassen“ und dass die Verlage ihre Innovationskraft auch in digitalen Formaten entfalten können. Dann gibt es in fast allen Bereichen Potentiale, um die Digitalisierung kreativ zu nutzen.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Anne Schulte: In der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nimmt das Internet eine immer größere Rolle ein. Das Medium scheint zunächst unübersichtlicher als die „klassischen Medien“, anonymer und schnelllebiger. Auf diese Entwicklung muss man reagieren können und neue Wege finden, um Kampagnen erfolgreich zu lancieren.

Books & Brains: Herzlichen Dank für Deine Antworten, Anne!

Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Holger Reichard (Teil 2)

15. Oktober 2010 § Ein Kommentar

Im heutigen 2. Teil meiner Interviewreihe zum Thema „Digitalisierung auf der Frankfurter Buchmesse“ beschreibt Holger Reichard aka @wortmax, wie er den „digitalen Wandel“ in der Buchlandschaft auf der diesjährigen Buchmesse erlebt und was er für sich und seine Zukunft mitgenommen hat.

Holger Reichard ist Netzwerker, Autor, Blogger, Ideengeber und Betreiber von www.wortmax.de sowie der Bumsdorfer Auslese – Braunschweigs einzige und damit beste Lesebühne.

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Holger Reichard: Seit etwa sieben Jahren bin ich für meine Websites auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs. Mein Eindruck ist, dass die Digitalen Medien dort noch nie so präsent waren wie in diesem Jahr. Vor zwei Jahren noch konnte ich diesen Bereich nach kurzer Zeit enttäuscht abhaken. Dieses Mal haben drei Messetage nicht ausgereicht, um alle für mich interessanten Veranstaltungen und möglichen Verabredungen wahrzunehmen.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Holger Reichard: Besucht habe ich unter anderem den Vortrag von Wibke Ladwig über die Integration von Facebook, Twitter & Co. im Verlagsalltag. Viel Neues habe ich dort nicht erfahren, was aber daran liegt, dass ich die Entwicklungen im Bereich Social Web schon schon seit längerem sehr aufmerksam verfolge. Der Nutzen dieser und weiterer Veranstaltungen lag für mich persönlich darin, Bestätigung zu finden und (nebenbei) viele Follower und »Freunde« aus der Buchbranche persönlich kennenzulernen.

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Holger Reichard: Angekommen ist das Thema bei den Verlagen auf jeden Fall. Die Frage ist: Wie ernst wird es genommen, insbesondere von Seiten der Verlagsführung? Meinen Erfahrungen nach liegt da noch vieles im Argen. Mir ist aber aufgefallen, dass die Online-Aktivitäten der Verlage auf Plattformen wie Facebook oder Twitter gerade in den letzten Monaten stark zugenommen haben, und dass es dafür jetzt erfreulicherweise in vielen Verlagshäusern aufgeschlossene und kompetente Ansprechpartner gibt. Die hätte ich mir schon früher gewünscht.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Holger Reichard: Was Kundenbindung und Kundendialog betrifft, sammelt die Buchbranche vermutlich schon reichlich positive Erfahrungen mit den neuen Medien. Das größte Entwicklungspotenzial sehe ich deshalb im Moment im Bereich des Social Web. Bis eBooks und andere digitale Medien eine größere Bedeutung bekommen oder bestimmte Formate sich durchsetzen, wird es wohl noch etwas dauern. Ich glaube, hier wird die Zeitungsbranche, wo die Krise augenblicklich am größten zu sein scheint, die Richtung bzw. neue Lesegewohnheiten vorgeben.

Books & Brains:Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Holger Reichard: Durch die bessere Vernetzung und Kommunikation mit Kollegen, Partnern und potenziellen Kunden verändert sich meine Arbeit schon jetzt ständig, sehr konkret in Form von neuen Aufträgen und (nicht nur für die Arbeit) hilfreichen Bekanntschaften. Teilweise ergeben sich für mich sogar ganz neue Tätigkeitsfelder. Gefahren und Risiken sehe ich für mich nicht. Höchstens vergeudete Zeit, wenn die Vernetzung untereinander virtueller Natur bleibt und nicht wenigstens hin und wieder ein neues Projekt oder eine neue Zusammenarbeit daraus entsteht.

Books & Brains: Vielen Dank, Holger, hat mich sehr gefreut!

Das war ‚hotspotting: book.people in social media‘ auf der Frankfurter Buchmesse 2010

13. Oktober 2010 § 5 Kommentare

Und hier noch schnell der Nachbericht zur Hotspotting-Party, bevor nun die FBM10 endgültig verdaut ist und alle wieder ihrem ganz normalen Alltagswahnsinn nachgehen:

Es war dann doch ein kleines bisschen Aufregung zu spüren, so um 17.30 Uhr, als die Party starten sollte – aber natürlich im positiven Sinne! Der minimalen Verzögerung sei verziehen, lag es doch ein wenig an den vorhergehenden Umständen: Wibke Ladwig von der Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt wurde eben mal schnell zur Miss Bookfair 2010 gekürt, wo sie doch auch als DJane auf der Hotspotting-Party wirken sollte. (Glückwunsch natürlich auch an dieser Stelle!)

Es ging dann doch ganz flott. Der Rheingauer Riesling und die Brezeln wurden flink herbei gekarrt, es wurde mit wenigen Handgriffen an der Technik gebastelt, um Musik und Twitterwall zum Laufen zu bringen. Die ersten Gäste sammelten sich blitzschnell zu kleinen Grüppchen. Und dann waren auf einmal alle da, gut gelaunt und gespannt. Die #Plattensammlung (kleiner Tipp: mal auf Twitter danach suchen) eröffnete mit Quincy Jones und seinem Soul Bossa Nova das vergnügliche Social Networking am Hotspot Information Management in Halle 4.2.

Nach einer kurzen Einführung durch die drei Initiatoren der Veranstaltung, Ehrhardt Heinold, Wibke Ladwig und Carsten Raimann, wurde munter drauf los geplaudert und die neuesten Messeinfos und -gerüchte ausgetauscht. Man machte sich mit den Avataren aus Twitter und Facebook bekannt und es ergaben sich sogar neue Geschäftskontakte! Das tollste aber: im Gegensatz zu den üblichen, teils steifen und aufgesetzten Happy Hours waren alle quietschfidel. Es wurde ausgelassen gequatscht und gelacht. Man war locker, gelöst, ja man hatte die Messe bereits gut überstanden. So muss das sein! … Warum wurde eigentlich nicht getanzt? Das wird sich nächstes Jahr ändern!

Die Hotspotting-Party-Initiatoren

von links nach rechts: Carsten Raimann, Wibke "Miss Bookfair 2010" Ladwig, Ehrhardt Heinold

Am Messe-Freitagabend eine solche Party zu veranstalten, das war eine tolle Sache nach drei Tagen geschäftiger Messe, ein guter Ausklang für alle, die noch vor dem Wochenende die Heimreise antraten. Und nochmals eine Möglichkeit, vorher verpasste oder versetzte Dates zu treffen! Und wieder einmal war gut zu sehen, wie „einfach“ Social Media funktionieren können. Aus einer spontanen Kneipenidee, ein paar wenigen verschickten und sich selbst vermehrenden Einladungen über XING, Facebook und Twitter wurde ein über zweieinhalbstündiges Fest mit rund 150 Gästen. Wenn die Security nicht gekommen wäre, würde man heute noch feiern.

Hotspotting-Party-Getümmel

Da war was los: Tolle Leute und super Stimmung!

Schon während der Party wurde klar, so etwas muss nächstes Jahr wieder stattfinden! Es gibt natürlich schon Ideen für ein Programm, die eine oder andere Überraschung, mindestens jedoch eine weitere Best-of-Plattensammlung und jede Menge book.people in social media, die dabei sein werden!

Interviewreihe „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ – heute mit Leander Wattig (Teil 1)

13. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute möchte ich eine kleine Interviewreihe zum Thema „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ starten. Dazu habe ich Buchschaffenden aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen jeweils fünf Fragen gestellt. Ich bin selbst gespannt, wie die verschiedenen Sichtweisen ausfallen werden.

In der heutigen ersten Folge steht Leander Wattig, freier Berater, Blogger und Initiator von „Ich mach was mit Büchern“ Rede und Antwort.

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Leander Wattig: Die Digitalisierung ist ja schon seit vielen Jahren das heiße Thema auf der Buchmesse. Wie es sich für Hype-Themen gehört, kommt es immer wieder zu großen Übertreibungen. Doch dieses Jahr habe ich vielerorts einen angenehm nüchternen Umgang mit dem Thema erlebt.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Leander Wattig: Ein wichtiges Unterthema ist ja das der Geschäftsmodelle. Hier war ich überrascht, mit welcher Aufgeschlossenheit man inzwischen selbst eine Erlösquelle wie freiwillige Zahlungen via Flattr & Co. diskutiert. Vor 1-2 Jahren wäre ein solches Thema wahrscheinlich noch als absurd abgetan worden. [Books & Brains: Leander hat dazu selbst einen spannenden Vortrag auf der Messe gehalten. Hier geht es zu der Präsentation.]

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Leander Wattig: Ich denke schon, dass die meisten Verlage verstanden haben, dass man alte Geschäftsmodelle nicht 1:1 auf die digitale Welt übertragen kann. Allerdings bleibt das Problem, dass viele der neuen Geschäftsmodelle nicht so attraktiv sind wie die alten. Das ist gewissermaßen ein Dilemma, welches etliche Unternehmen hemmt. Nicht umsonst kommen viele der interessanten Neuerungen auf dem Markt von den so genannten „Branchenfremden“. Klasse finde ich, dass Verlagshäuser wie Droemer Knaur dennoch experimentieren und Modelle wie „neobooks“ ausprobieren.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Leander Wattig: Ich denke nach wie vor, dass das größte Potenzial für die Buchbranche im Kontakt zu den Kunden liegt. Dank des Internets besteht für jedes Unternehmen heute die Möglichkeit, eine direkte Kundenbeziehung aufzubauen. Hoffen wir mal, dass die Buchbranche diese Chance nutzt und den Kundenkontakt nicht wie die Musikindustrie den Apples dieser Welt überlässt.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Leander Wattig: Ich befasse mich mit diesen Entwicklungen u.a. als Blogger, Berater, Vortragsredner und Lehrbeauftragter. Langeweile wird also nicht aufkommen. Überhaupt blicke ich gespannt in die Zukunft. Eine solche Medien-Revolution erlebt man schließlich nicht alle Tage und ich finde es prima, diese ein kleines Stück weit mitgestalten zu können.

Books & Brains: Vielen Dank fürs Mitmachen, Leander!

In den nächsten Folgen werden ein Autor und Blogger, eine PR- und Öffentlichkeitsarbeiterin, eine Illustratorin sowie eine Online Managerin zu Wort kommen. Viel Spaß!

Wo bin ich?

Du siehst dir momentan die Archive für Oktober, 2010 auf Books & Brains an.

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